Fähre von China nach Südkorea

Mit der Fähre von China nach Südkorea – Ein Abstecher nach Seoul und in die DMZ

Die koreanische Halbinsel ist technisch auf dem Landweg vom chinesischen Festland aus zu erreichen. Eine insgesamt 1420 km lange Grenze trennt die Provinzen Liaoning und Jilin von Korea. Geografisch definiert durch die Grenzflüsse Yalu (鸭绿江) und Tumen (图们江). Es fahren durchaus Züge zwischen Peking bzw. der Grenzstadt Dandong und der nordkoreanischen Hauptstadt Pjöngjang. Möchte man jedoch bis nach Südkorea reisen, hat man auf diesem Weg keine Chance. Die Demarkationslinie am 38. Breitengrad, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea, ist praktisch dicht und wird offiziell allenfalls im Rahmen medienwirksamer Staatsbesuche überschritten. Für einen Besuch des Südens bleiben also das Flugzeug und der Seeweg. China und Korea trennt das Gelbe Meer (in Korea: Westmeer), eine nördliche Bucht des chinesischen Meers. Da ich mir für meine Reise ein double entry Visum für China organisiert habe, muss ich ohnehin einmal ein- und wieder ausreisen, um die vollen 8 Wochen nutzen zu können. Eine Fährüberfahrt über das Gelbe Meer mit visumfreier Einreise in Südkorea ist sicher nicht nur pragmatisch, sondern auch ein spannendes kleines Abenteuer für sich.

Mit der Fähre nach Südkorea

Es gibt einige chinesische Häfen, von welchen aus Fähren Richtung Südkorea in See stechen. Ich starte meinen Abstecher in Qingdao (青岛市), der schönen Hafenstadt an der Südküste der Shandong-Halbinsel. Im Jahr 2016 lässt sich die Tour zwischen Qingdao und der koreanischen Hafenstadt Incheon (인천광역시) relativ unkompliziert auf der englischsprachigen Facebook-Seite „Weidongferry-Reservation“ buchen, und ich kann mir das Ticket am Tag der Abfahrt direkt am Hafen von Qingdao abholen. Auf eine jüngere Anfrage, ob der Verkauf noch aktiv sei, erhielt ich keine Antwort. Mag an der Pandemie liegen. Allerdings hat es seit Oktober 2016 auch kein Update auf der Seite mehr gegeben…

Eine Hin- und Rück-Ticket für die Fähre zwischen Qingdao und Incheon kostet etwa 120 €.

Abfahrt vom Hafen in Qingdao

Ich halte mich zuvor zwei Tage in der Stadt Qingdao auf und lerne im Schlafsaal meines Hostels einen Südkoreaner kennen, der zufällig denselben Plan hat. Lee lebt in Seoul, ist zu Besuch in China und hat die gleiche Fähre gebucht wie ich. Ein interessanter Zufall. Insbesondere für ihn – schätze ich – denn die Fähre wird vor allem von chinesischen und koreanischen Reisenden genutzt. Auf beiden Fahrten ist neben mir jeweils nur ein einziger weiterer Europäer an Bord. Beides ebenfalls eher unkonventionelle Weltreisende. Wer also auf der Suche nach einem besonderen Reiseerlebnis abseits der abgetretenen beziehungsweise abgeflogenen Pfade ist, ist auf einer solchen Fährtour goldrichtig.

Tatsächlich sehen das auch die beiden Mitarbeiterinnen des Hostels so und befürchten, dass ich den Hafen auf eigene Faust nicht auffinde. Kurzerhand nehmen sie sich die Zeit, mir den Weg dorthin zu zeigen. Nicht nur auf der Karte, sondern mich physisch dorthin führend. Jedenfalls bis zu einer Bushaltestelle, von welcher aus ich den Weg dorthin zeitlich etwas abkürzen kann. Sie warten mit mir auf den Bus und geben dem Busfahrer Anweisungen, wo er mich rauszuschmeißen hat. Von dem in der Altstadt gelegenen Wheat Youth Hostel aus sind es zu Fuß etwa 30-40 Minuten. Mit dem Bus reduziert sich die Zeit auf etwa 15 Minuten.

Die Szenerie am Fährhafen ist skurril. Gelände und das Terminal-Gebäude sind riesig: auf insgesamt 60.000 m2 wurde eine Zollabfertigungskapazität von 3.000-4.000 Passagieren pro Stunde erschaffen und im Jahr 2015 eröffnet. Ein Fokus scheint auf Kreuzfahrten zu liegen. Im Jahr 2016 wurde immerhin schon 89.500 Passagieren ein sorgenfreies Urlaubserlebnis beschert (Quelle: baidu.com).

Fährhafen Qingdao
Hafen von Qingdao

Qingdao Cruise Home Port Passenger Transport Center (青岛邮轮母港客运中心): Fährhafen von Qingdao. Der Transfer vom Terminal (rechts) zum Schiff (links) erfolgt per Bus.

Am Tag meiner Abfahrt wirkt das Terminal überdimensioniert, mit nur wenigen Tourist:innen, die hier an Bord gehen. Genau genommen ist unsere Fähre das einzige Schiff, das gerade im Hafen liegt, und seine Gäste willkommen heißt. Das Prozedere ist entsprechend entspannt. Ein gewisses Amüsement stellt sich ein, als alle Passagiere am Terminal in einen Bus steigen, damit dieser einmal die Straßenseite wechseln und uns an der gegenüber gelegenen Gangway wieder herauslassen kann. Einwal wenden bitte!

Nach dem Abladen meines Gepäcks in der Kajüte geht es aufs Sonnendeck. Neben Lee treffe ich hier einen Mitreisenden aus England. Da wir drei Stunden auf die Abfahrt warten, haben wir ausreichend Zeit, uns über unsere Reiseerlebnisse auszutauschen. Er ist bereits seit 10 Monaten unterwegs, war in Südamerika und Afrika. Besonders der Sudan habe es ihm angetan. Zwischendurch hat er einen kleinen Besuch in der Heimat eingebaut, was ich etwas merkwürdig finde. Das liegt wohl an der Projektnatur meiner Reisen. An der Zielsetzung, ein bestimmtes Ziel auf einer definierten Route zu erreichen. Er selbst empfand die Pause als durchaus Energie-spendend. So ähnlich sich Backpacker in der Grundidee sein mögen, so facettenreich sind dann doch die Reisephilosophien.

Verlassen des Hafens von Qingdao
Auslaufen aus dem Hafen von Qingdao.

In den Sonnenuntergang über das Gelbe Meer
Blick auf das Gelbe Meer (a.k.a. Westmeer)

Und dann ist es so weit. Das Schiff legt ab und hupt, und sendet Qualm aus seinem Schornstein. Die Sonne neigt sich bereits gen Horizont. Für die Schiffsküche das Signal zum Auftischen. Wir werden direkt in den Speisesaal gebeten. Das Abend-Buffet kann sich sehen lassen. Jedenfalls aus meiner Sicht. Es gibt einfache koreanische Kost: Algen-Süppchen, Oi Muchim (오이무침, scharfer Gurkensalat), Reis, scharfer Tofu, Kimchi (김치, scharf fermentierter Kohl)… und davon reichlich. Gegessen wird mit koreanischen Stäbchen, die im Gegensatz zu den hölzernen chinesischen Varianten aus Metall bestehen und eine ovale Form haben. Etwas schwieriger, aber dafür das effektivere Training, meine ich.

Sunset Yellow Sea
Sonnenuntergang über dem Gelben Meer.

Auf einen Soju mit dem militärischen Nachwuchs

Anschließend darf entspannt werden. Es gibt eine Kino-Ecke mit chinesischen Filmen, Bühnen-Unterhaltung mit K-Pop-Aufführungen und Karaoke. Im Außenbereich wird gesoffen. Ich komme zunächst mit einer Gruppe junger Militärschüler in Kontakt. Die Jungs sind vielleicht gerade 20 Jahre alt, vielleicht sogar jünger. Sie laden mich zum Verzehr von Soju (소주), koreanischem Reisschnaps ein. Es gibt klare Verhaltensregeln beim Trinken. Man nippt nicht einfach so individuell von seinem Glas oder seiner Flasche. Wenn ich trinken möchte, muss ich auf mich aufmerksam machen und die anderen dazu auffordern mitzutrinken. Im Grunde wird bei jedem Schluck angestoßen.

Abendliche Unterhaltung an Bord.

Einige Male bemerke ich meine eigene Ignoranz nicht und trinke einfach von meinem mitgebrachten Dosenbier… ich muss die Sauf-Disziplin erst erlernen. Wenn angestoßen wird, zeugen bestimmte Handgesten von Respekt und Integrität. Etwa wird die linke Hand unterhalb des Glases in der rechten Hand positioniert. Eine Geste der Höflichkeit. Bei einer fröhlichen Runde mit einer chinesischen Familie auf der Rückfahrt ist es besonders die Dame am Tisch, die mir auf diese Weise ihren Respekt zeigt. Bei den jungen koreanischen Rekruten kommt hinzu, dass sie sich zum Trinken von mir abwenden. Sie halten eine Hand vor ihren Mund, als sie ihr Glas zu eben diesem führen. Warum? Weil ich mit Abstand der Tisch-Älteste bin und die Jungs eben noch der jugendlichen Fraktion der Gesellschaft zuzuordnen sind. Ebenfalls ein Zeichen des Respekts – nehme ich an. Andererseits versuchen sie formal die Unartigkeit des Alkoholkonsums vor mir zu verstecken. Wie auch immer. Wir haben einen lustigen Abend. Als ich einen in der Gruppe jedoch frage, wieso sie eine Militärschule besuchen, lautet die einfache Antwort: „I wanna protect my country!„. Zunächst wirkt das auf mich irgendwie, naja, einstudiert. Aber nach dem späteren Besuch der demilitarisierten Zone, der faktischen Grenze zwischen Nord- und Südkorea ändert sich mein Blick auf diese Haltung. Beide Staaten sind miteinander formal noch immer im Krieg, und die Spannungslage ist zu diesem Zeitpunkt signifikant.

Soju, Bier und Knusper-Nüsschen. Ich werde zu Tisch gebeten.

Zeit zu schlafen. Die Kajüten sind Großraum-Schlafsäle mit geschätzt 32 halb-privaten Kojen. Kein nennenswerter Unterschied zu den Schlafsälen in preisgünstigen Hostels. Nur eben mit einer größeren Anzahl an Schlafgenoss:innen. Natürlich verschlafe ich, wache um 10:00h auf – kurz vor Ankunft in Incheon. Der Soju hatte es am Ende in sich. Also nur eine kurze Katzenwäsche, Sachen packen und ab aufs Deck, der Sonne entgegenblicken. Oder was davon übrig ist. Es ist neblig. Kurze Sichtweite. Lee erklärt mir in diesem Zusammenhang, dass auch Seoul unter Smog-Belastung leidet. Allerdings sei das quasi Fremdsmog – aus China. Dieser wehe über das Westmeer herüber. Ich kann das jedenfalls nicht ad hoc widerlegen.

Kajüte auf Weidong Ferry
Die Kajüten sind sachlich gestaltet.
Ein nebliger Morgen.

Wir verlassen das Schiff und Lee führt mich zur nahegelegenen U-Bahnstation, die ca. 15 min Fußweg vom Hafen entfernt ist. Incheon selbst ist mit 3 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes, doch als solche zudem Teil der Metropolregion der Hauptstadt Seoul (서울특별시). Die Linie 1 der Seouler Metro hat ihren Endpunkt in der ca. 30 km entfernten Hafenstadt, und man erreicht das Zentrum Seouls von hier aus nach 30 Minuten Fahrtzeit. Mein erster prägender wie freundlicher Eindruck des Landes ist die stolz ertönende Trompetenmelodie, als die U-Bahn in die Station einfährt. Irgendwann steigt Lee aus. Ein knapper Abschied mit konkreter Anweisung, wo ich auszusteigen habe. Goodbye my friend! Die Ausstiegsanleitung ist erfolgreich und ich finde mühelos zum Hostel.

Port of Incheon

Ankunft am vernebelten Hafen von Incheon an Koreas Westküste.

Der Gyeongbokgung-Palast in Seoul

Mein erster Ausflug nach Südkorea sollte ein kurzer werden. Mir bleiben zwei Tage zur Besichtigung der Hauptstadt Seoul und dessen Umgebung. Zu dessen Umgebung zähle ich auch die Demilitarisierte Zone. Für mich eine Priorität. Daher habe ich nur einen vollen Tag, mir Seoul anzusehen. Es gibt viel zu sehen, viele Ausflugsziele. Die Stadt hat ein ganz besonderes Flair. Sie befindet sich direkt zu Füßen des 342 Meter hohen Bugaksan (북악산) und dem gleichnamigen Nationalpark. Für Tourist:innen ist die Hauptstadt daher zugleich kulturelles Zentrum und grünes Naherholungsgebiet. Ich entscheide mich für die ausgiebige Besichtigung des kulturellen Highlights: südlich des Hausbergs befindet sich der Gyeongbokgung- Palast (경복궁). Dieser Komplex entstammt der Joseon-Dynastie (조선왕조), wurde im Jahr 1395 fertiggestellt und erfuhr über die Jahrhunderte mehrere Abrisse bzw. Rekonstruktionen. Heute erscheint er weitgehend in seiner ursprünglichen Form.

Hinter dem „Palast der strahlenden Glückseligkeit“ ragt der Berg Bugaksan (북악산) empor.

Das Gelände ist groß und ich verbringe einen halben Tag mit der Besichtigung. Ich habe mittlerweile einige Tempel und Palastanlagen in Ostasien besichtigt. Und der Gyeongbokgung gehört sicher zu den beeindruckendsten – auch aufgrund seiner relativ bescheidenen Ausgestaltung. Klassische Bauten mit wenig Prunk. Optisch besonders dominant sind die großen Zeremonie-Hallen wie Geunjeongjeon (근정전) mit teils mehrstöckigen, der damaligen Zeit entsprechend verzierten Dachkonstruktionen. Ich habe viel Platz. Es ist an diesem Tag trotz tollen Wetters nicht viel los. Die ganze Anlage hat einen musealen Charakter und versetzt mich in die Zeit zurück, als Seoul (damals Hanyang, 한양) zur Hauptstadt des Jonseon-Reiches erhoben wurde. Wer hier in traditioneller Kleidung (Hanbok, 한복) auftaucht, erhält freien Eintritt. Dadurch wird der Besuch irgendwie zu einer kleinen Zeitreise, da sich die traditionelle Architektur im Einklang mit der koreanischen Trachtenkultur präsentiert. Denn nicht wenige, vor allem weibliche Besucher:innen nehmen das Angebot freudig an.

Geunjeongjeon (근정전).
Besucherinnen in traditionellen Hanbok-Trachten vor dem Gyeonghoeru (경회루) Pavillon.

Mein persönliches Highlight ist die königliche Privatbibliothek Jibokjae (집옥재), die nicht nur zur Besichtigung, sondern durchaus auch zum Schmökern einlädt. Mehr als 1000 Bücher über die Geschichte der Joseon-Ära sind hier gesammelt. Ein offenes, helles Interieur mit großzügigen Lesetischen und der Möglichkeit, Bücher in koreanischer oder chinesischer Schrift zu studieren… nun … letzteres sicher nicht an einem halben Tag. Aber auch englischsprachige Bücher liegen aus. Mein Interesse, einige dieser Bücher zu lesen, wird geweckt und ich notiere mir den ein oder anderen Titel. Was mir zunächst nicht auffällt, steht auf einer der Tafeln. Die Bibliothek hat einen für diesen Komplex ungewöhnlichen, chinesischen Baustil. Bei genauerem Hinsehen erinnern mich dann Treppen samt Empore, sowie der anliegende Pavillon mit der schwungvollen Bedachung an chinesische Tempelanlagen.

Jibokjae
Die Jibokjae-Bibliothek.
Muße zur koreanischen Lektüre.

Nach den literarischen Genüssen gebe ich mich wohlen Klängen hin. Denn es wird im Palast auch rege musiziert. Vorführungen, die am heutigen Tag wenig stark besucht sind, lassen mich ein wenig weiter in die Kulturgeschichte eintauchen. Vor der Kulisse der gepflegten Tempelarchitektur mit den in die Szene hineinragenden, gestutzten Fichten wird hier eine tolle Stimmung erzeugt. Ich kann mir gut vorstellen, dass dies von gestressten Bewohnern der Metropole auch als nah gelegener Rückzugsort genutzt wird. Eine kleine Zeitreise vielleicht. Eine Oase im geschäftigen Getümmel.

Traditionelle Musik im Gyeongbokgung- Palast
Traditionelle Musik in traditionellem Gewand.

Auf dem Gelände des Palastes befinden sich neben noch botanische Gartenanlagen mit Lehrpfad das National Palace Museum of Korea (국립고궁박물관) sowie das tolle National Folk Museum of Korea (국립민속박물관) mit einem besonders inspirierenden Freiluftbereich. Zu der exquisiten Auswahl der zu bestaunenden Kulturpflanzen zählen hier Aprikosenbäume, die Chinesische Quitte, der Lackbaum oder die Weiße Maulbeere. Leider sind die botanischen Infotafeln ausschließlich auf Koreanisch. In jedem Fall jedoch ist der Garten liebevoll gestaltet. Im Folk Museum sind altertümliche Wohnhäuser und Alltagswerkzeuge ausgestellt. Mein besonderes Augenmerk gilt jedoch dem Skulpturenpark. Koreanische Skulpturen bringen mich teilweise respektvoll zum Schmunzeln. Das liegt an der freundlichen Ausgestaltung mancher steinernen Pfähle, die aus dem Rasen herausragen. Insbesondere jedoch ist die künstlerische Darstellung menschlicher Genitalien für den westlichen Betrachter etwas erheiternd. In Ostasien ist der entspannte, freizügige Umgang mit Phallus-Symbolik jedoch vielerorts nichts Ungewöhnliches. So symbolisieren phallische Schnitzereien in Korea etwa die Harmonie zwischen Yin und Yang, jedoch auch Fruchtbarkeit und Tapferkeit. Auch und besonders während der Joseon-Dynastie war der phallische Kult eine staatliche Praxis. Hier sind einige interessante Exponate aus dieser Zeit zu sehen und für sich schon den Besuch wert.

Fernöstlicher Flair in Fernost. Gartenanlage vor prominenter Kulisse,

Sympathische Exponate im Skulpturenpark.
Phallus- Statuen im National Folk Museum of Korea.
Phallus-Symbolik spielt in der koreanischen Kultur durchaus eine nicht-humoristische Rolle.

Fazit und Tipps

Anreise: Den Palast erreichst du am besten mit der Metro. Die Linie 3 hält fast direkt vor dem Haupttor (Gwanghwamun), das sich zwischen den Stationen Gyeongbukgong (경복궁역) und Anguk (안국역) befindet. Die Linie 5 hält an der Station Gwanghwamun (광화문역), die etwas weiter entfernt liegt, aber direkt auf den Platz mit den Statuen von König Sejong und Admiral Yi Sun-sin führt.

Eintritt: Erwachsene: 3000 Won (€2,20) – Kinder: 1500 Won (€1,10)-
Das Ticket erlaubt den freien Zutritt zu dem National Palace Museum und dem National Folk Museum.
Öffnungszeiten: Nov – Feb 09:00-17:00, Mär – Mai 09:00-18:00, Jun – Aug 09:00-18:30, Sep – Okt 09:00-18:00
Dienstags geschlossen

Es werden auch geführte Touren in englischer Sprache angeboten.

Kulinarischer Tipp

Südöstlich des Palastes in Insa-dong (인사동) gibt es einige vegane Restaurants, die ihre Speisen teilweise in voller buddhistischer Tradition zubereiten. Neben den rein pflanzlichen Zutaten betrifft das auch den Verzicht auf Zwiebeln und Knoblauch. Ich habe hier Bibimbab (비빔밥) in veganer Ausführung genossen. Das Restaurant (Oh Se Gae Hyang – 오세계향) wurde auch von vielen Mönch:innen besucht. Der Zutritt erfolgt, nachdem man seine Schuhe vor dem Eingang ausgezogen hat. Eine besondere Empfehlung.

Veganes Bibimbab (비빔밥).

Tagestour nach Panmunjeom – die „Bestbewachte Grenze der Welt“

Zu den sich aufdrängenden Kernangeboten in den Seouler Backpacker Hostels gehört die Buchung von Touren in die Joint Security Area (JSA) in der Siedlung Panmunjeom (판문점). Infolge zweijähriger Verhandlungen wurde an diesem Ort am 27. Juli 1953 das Waffenstillstandsabkommen zwischen den Konfliktparteien China, Nordkorea und der UNO unterzeichnet. Noch heute spielt diese militärische Sicherheitszone für die relative Friedenssicherung eine wichtige Rolle. Denn formal befinden sich Nord- und Südkorea nach wie vor im Krieg. Panmunjeom befindet sich in der Demilitarisierten Zone (DMZ), einer 4 Kilometer breiten Pufferzone um die Demarkationslinie. Hier kann man als Tourist nicht einfach hinreisen und sich herumtreiben. Die geführte Tour ist hoch-organisiert, minutiös getaktet, und natürlich militärisch überwacht.

Der Weg von Seoul zur DMZ ist mit reichlich Stacheldraht geschmückt.

Ich werde am frühen Morgen mit einem schwarzen Mercedes abgeholt und zu einem Luxushotel in der Innenstadt gefahren. Dort befindet sich das Büro des Touranbieters. Alle Teilnehmenden werden hier gesammelt, registriert und in einen großen Bus geführt. Während der Fahrt zur DMZ informiert uns die Tour-Guidin bereits umfangreich über Umfangreiches. Zur Geschichte der DMZ, den anhaltenden Konflikt – Seitenhiebe auf den Norden und dessen aktueller Lichtgestalt inklusive. Bereits während der etwa einstündigen Fahrt wird sichtbar, was auf uns zukommt. Die Straße entlang des Han-Flusses (한강) ist zunehmend von Stacheldraht und Wachtürmchen gesäumt. Später haben wir Blick auf nordkoreanisches Festland. Mit einem Mitreisenden scherze ich selbstironisch über unser fortwährendes Bedürfnis „nach Drüben“ zu starren. Eigentlich eine ganz normale Landschaft, wie überall. Wir starren nur, weil es eben Nordkorea ist. Unerreichbar. Wie ein Superstar.

Brücke ohne Wiederkehr
Brücke ohne Wiederkehr (Bridge of No Return).

Zunächst werden wir ins Camp Bonifas geführt, der Basis der UN-Sicherheitskräfte. Dort erhalten wir in einem Hörsaal eine ausführliche Lektion über Geschichte und Struktur der JSA, und auch über den für das Camp namensgebenden Vorfall.

Als US-Offiziere am 18. August 1976 nahe der Brücke ohne Wiederkehr (돌아오지 않는 다리) eine sperrige Pappel zu stutzen im Begriff waren, kam es zu einer gewaltsamen Auseinandersetzung mit nordkoreanischen Posten, bei der zwei amerikanische Soldaten getötet wurden. Captain Arthur Bonifas war eines der Opfer, dem zu Ehren schließlich der Stützpunkt umbenannt wurde. So eigenartig diese Geschichten zunächst klingen mögen, so sehr enthüllen sie auch die düstere Skurrilität und Absurdität dieses Ortes. Bei allem touristischen Flair der Veranstaltung: hier liegt etwas in der Luft… Die erwähnte Brücke bot einst freigelassenen Kriegsgefangenen die Möglichkeit, sich für den Norden oder Süden des Landes zu entscheiden. Ein für allemal. Die Brücke kreuzt die Demarkationslinie. Wer sie einmal überquert hatte, dem blieb die Rückkehr verwehrt.

Nach der Vorlesung besteigen wir einen Militärbus. Die weitere Führung wird ebenfalls vom Militär geleitet. Wir fahren zur Hauptsehenswürdigkeit Panmunjeoms: dem Ensemble der drei grenzüberschreitenden Blauen Baracken. Das harmlos wirkende Babyblau täuscht jedoch nicht über die schaurige Atmosphäre hinweg. Südkoreanische Soldaten wachen in Halbdeckung an den Kanten der Baracken, mit Blick nach Norden – auf den Phanmun Pavillon (판문각). Sie tragen Sonnenbrillen und schwarze Helme, müssen einen schwarzen Gürtel in Taekwondo oder Judo besitzen.

Blaue Baracken von Panmunjeom
Die Blauen Baracken in Panmunjeom werden streng überwacht. Im Hintergrund der Phanmun Pavillon (판문각), das nordkoreanische Besucherzentrum.

Auf der Gegenseite ist weniger los. Keine sichtbare Militärpräsenz. Ein Gärtner pflegt – bewaffnet mit einem Gartenschlauch – die Grünanlage des nordkoreanischen Besucherzentrums. Wir erhalten eine militärische Anweisung, Fotos zu machen. Eine Minute. Genau. Dann geht es in die mittlere der Baracken. Konferenztische stehen für Verhandlungen bereit. Wachposten zeigen Körperbeherrschung. Wir können uns frei bewegen und über die Demarkationslinie treten. Wer dies außerhalb der Baracken tut – ähnlich wie die Herren Kim und Trump im Jahr 2019 – kann mit Schüssen rechnen. Innerhalb der Baracke gehört es zum Programm, Fotoservice inklusive. Die Ausgangstür Richtung Norden ist freilich nicht zu öffnen. Ein merkwürdiger Spaß. Es geht alles recht schnell. Jeder schießt Fotos von den Soldaten und generiert „Ich stehe hier gerade in Nordkorea“- Beweisselfies.

Südkoreanischer Soldat
Körperbeherrschung nach Taekwondo-Art – bei den Soldaten, nicht bei den Touristen. Ich (ganz entspannt) in Nordkorea.

Quasi im Schnellschritt geht es zurück zum Bus und mit diesem zum Mittagessen. Für die Veggie-Freunde gibt es entsprechend gestaltetes Bibimbab (비빔밥) – Gesamtkoreanische Hausmannskost. Das Restaurant befindet sich im Denkmal-Park Imjingak (임진각). Das Areal erinnert an den Krieg und die aktuelle Realität. Hier führt die „Freedom Bridge“ über den Fluss Imjin. Dieses Brückenpaar wurde von der japanischen Kolonialmacht errichtet, um eine Eisenbahnverbindung zwischen Seoul und Sinuiju, der nordkoreanischen Grenzstadt zu China, herzustellen. Nach der Zerstörung im Krieg wurde eine der Brücken mittlerweile wiedererrichtet und ist Teil der Verbindung zur Dorasan Station (도라산역), dem letzten Stopp vor er DMZ. Ein direkter Blick auf Nordkorea ist hier nicht zu erhaschen.

Freedom Bridge - Freiheitsbrücke
Die „Freedom Bridge“ über den Imjin verband bis zum Korea-Krieg Seoul mit der Stadt Sinuiju im Norden Nordkoreas. Die „anderen Seite“ ist ebenfalls südkoreanisches Areal.

Im Camp Bonifas gibt es noch die Gelegenheit, sich in einem Shop mit allerhand Souvenirs einzudecken. Von T-Shirts mit gediegener Militär-Ästhetik über Fähnchen bis hin zu ulkigen Puppen einschlägig relevanter politischer Führungspersönlichkeiten. Am Ende ist das dann doch irgendwie die übliche Konsum-Gaudi. An der gefährlichsten Grenze der Welt.

Fazit und Tipps

Eine Halbtagestour in die Demilitarisierte Zone lohnt sich definitiv für alle, die sich für die koreanische Zeitgeschichte interessieren und einen echten Eindruck bekommen möchten, wie sich ein „Eiserner Vorhang“ anfühlt. Es handelt sich definitiv nicht um einen entspannten Ausflug ins Grüne, sondern um eine Studienfahrt mit touristischem Anstrich. Die gesamte Tour, die militärische Organisation und besonders das Highlight – die blauen Baracken – wirken bizarr. Aber es ist zu keinem Zeitpunkt ernsthaft bedrohlich.

Kostenpunkt: Eine Tour in die DMZ ist relativ kostspielig: im Vorfeld gebucht, musst du mit mindestens 60 € für eine Halbtagestour rechnen. Eine spontanere Buchung im Seouler Hostel ist unkompliziert und kann gegebenenfalls etwas günstiger sein. Achte unbedingt darauf, dass die JSA (Panmunjeom) im Programm gelistet ist, um die blauen Baracken zu besichtigen. Längere Touren enthalten noch weitere Programmpunkte wie eine Seilbahnfahrt oder einen Besuch im Battleship Park.

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