
Zwischen Oder, NeiĂe und Warthe erstreckt sich eine Landschaft, die durch ihre spĂ€rliche Besiedlung, ihre dichten WĂ€lder und ihre zahlreichen Seen geprĂ€gt ist.
Hier findest du viele ruhige und historisch interessante Orte, ohne weit anreisen zu mĂŒssen. Die Woiwodschaft Lubuskie ist der polnische Teil des historischen Lebuser Lands und befindet sich im Westen Polens an der Grenze zu Brandenburg und zur Region GroĂpolen.
Neben den Naturlandschaften verteilen sich in Lebus teilweise wenig entdeckte SehenswĂŒrdigkeiten, darunter historische Orte mit vielerorts gut erhaltener mittelalterlicher und barocker Architektur. Aber auch markante Spuren der jĂŒngeren Lebuser Vergangenheit sind sichtbar â einschlieĂlich einer ganzen Ruinenstadt.
Wenn du Lust auf eine abwechslungsreiche Rundreise durch die Geschichte der deutsch-polnischen Grenzregion zwischen Oder und Warthe hast, könnte die Route von Berlin ĂŒber Frankfurt (Oder) bis nach Kostrzyn, Zielona GĂłra und GorzĂłw Wielkopolski genau das Richtige fĂŒr dich sein.
1. Reise durchs Lebuser Land
1.1 Ăberblick »Lubuskie«
Als historischer Grenzraum an Oder, NeiĂe und Warthe markiert das Lebuser Land seit dem Mittelalter ein Interessensgebiet verschiedenster politischer Herrschaften: Es gehörte je nach Epoche zum Bistum Lebus, zu Polen, zur Mark Brandenburg und zu PreuĂen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg teilte die neue Grenzziehung entlang der Oder und NeiĂe das Gebiet. Der gröĂere Teil gehört heute zu Polen und hat als Woiwodschaft »Ziemia Lubuska« seinen stabilen Platz im polnischen VerwaltungsgefĂŒge gefunden.

Das Lebuser Land besitzt zwei HauptstĂ€dte: GrĂŒnberg (Zielona GĂłra), in dem auch das Parlament seinen Sitz hat und das meiner Ansicht nach hĂŒbschere dieser beiden Zentren darstellt, sowie Landsberg an der Warthe (GorzĂłw Wielkopolski).
Weitere bekannte Orte der Region sind Ćwiebodzin (Schwiebus) mit seiner riesigen Jesus-Statue, Nowa SĂłl (ehem. Neusalz an der Oder), die »Stadt der Gartenzwerge« sowie die niederlausitzer Stadt Ć»ary, in deren Umland mit dem »GĂłra Ć»arska« die höchste Erhebung von »Lubuskie« aufragt.
Die namensgebende Stadt Lebus selbst liegt heute im deutschen Teil des historischen Lebuser Lands, im MĂ€rkisch-Oderland nördlich von Frankfurt (Oder). Ganz in der NĂ€he befindet sich Kostrzyn nad OdrÄ (ehem. KĂŒstrin), dessen historische Altstadt heute als museale Geisterstadt einen wesentlichen Abschnitt der Geschichte rund um die Befreiung vom Nationalsozialismus erzĂ€hlt.
1.2 Mit dem Zug durch Lubuskie
Im Westen Polens erwartet dich ein modernes und zuverlĂ€ssiges Streckennetz, das die Region Lubuskie auf entspannte Weise mit dem Regionalzug erschlieĂt.
Die ĂŒberschaubare GröĂe der Gegend macht eine Zugreise durch das Lebuser Land besonders entspannt, sodass sich diese Tour auch hervorragend fĂŒr ein verlĂ€ngertes Wochenende eignet â gerade wenn du aus Brandenburg oder Ostsachsen startest.
Auf deiner Route kannst du sowohl inspirierende StĂ€dte als auch ruhigere WohlfĂŒhlorte entdecken, die jeweils die Spuren ganz eigener Geschichte tragen.

Der Einstieg in dieses Abenteuer gelingt bequem und gĂŒnstig ab Berlin oder Frankfurt (Oder). Von Frankfurt (O) aus erreichst du beispielsweise Zielona GĂłra in anderthalb Stunden mit der Regionalbahn RB 91 ĂŒber Rzepin.
Die »Oderlandbahn« RB26 ist stĂŒndlich zwischen Berlin-Ostkreuz und Kostrzyn unterwegs und benötigt fĂŒr die Gesamtstrecke ebenfalls anderthalb Stunden.

Beachte dabei, dass dein »Deutschlandticket« auf dem Weg nach Kostrzyn nur bis zum deutschen Grenzort »KĂŒstrin-Kiez« gilt â fĂŒr die Weiterfahrt ĂŒber die Grenze nach Kostrzyn benötigst du ein polnisches Ticket, das du auch bei der DB oder dem VBB (Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg) fĂŒr 2,60 EUR (Stand: Dezember 2025) buchen kannst.

Auch die Fahrkarte von Frankfurt (Oder) nach Zielona GĂłra gibt es fĂŒr 8,60 EUR (Stand: Dezember 2025) online via DB und VBB zu kaufen. Du kannst das Ticket aber auch ganz spontan und unkompliziert im »SVF-Kundenzentrum« am Bahnhof besorgen, bevor es weitergeht ins schöne Lubuskie.

Von Bahnhof »Zielona GĂłra GĆĂłwna« fĂ€hrt etwa alle zwei Stunden eine Regionalbahn nach GorzĂłw Wielkopolski, mit der du 2â2œ Stunden bis zur Provinzhauptstadt Nummer 2 an der Warthe unterwegs bist.
Zwischen Zielona GĂłra und Kostrzyn ist die Taktung der Zugverbindungen etwas höher und die Fahrtzeit betrĂ€gt etwa 1œ Stunden â fast eine Kurzstrecke.
Noch schneller ist die Verbindung von GorzĂłw nach Kostrzyn: In etwa 40 Minuten geht es vom Landsberger Ufer der Warthe bis zu deren MĂŒndung in die Oder.
FahrplÀne & Zugtickets buchen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Tickets fĂŒr ZĂŒge nach und in Polen online zu kaufen.
Internationale ZĂŒge von Berlin oder Frankfurt (Oder) kannst du entweder ĂŒber die Deutsche Bahn oder die App des Verkehrsverbunds Berlin-Brandenburg (VBB) buchen.
Das »Deutschlandticket« gilt immer nur bis zur letzten Station auf deutscher Seite, also zum Beispiel bis KĂŒstrin-Kietz oder Frankfurt (Oder).
Einen guten Ăberblick zu den Ticketoptionen zwischen Berlin/Brandenburg und Polen findest du auf der Seite »Fahrausweise von und nach Polen« des VBB.

Regionalzugtickets innerhalb Polens kannst du direkt auf der Plattform »Portal PasaĆŒera« der polnischen Bahn (PKP) online buchen.
Etwas ĂŒbersichtlicher und moderner ist das Buchungsportal »Koleo«, das auch Deutsch mit dir spricht, allerdings eine Registrierung erfordert.
Alternativ kannst du Tickets fĂŒr polnische RegionalzĂŒge natĂŒrlich immer auch spontan am Bahnhof kaufen.
| Abfahrt – Ankunft | Dauer | Zug-Nr. | Preis (12/2025) |
| 08:15 â 09:50 | 1:36 Std | RB 91 | 8,60 EUR âvbb.de |
| 09:50 â 10:54 | 1:04 Std | EC 59 | ca. 20 EUR âbahn.de |
| 13:50 â 14:55 | 1:04 Std | EC 57 | ca. 20 EUR âbahn.de |
| 16:14 â 17:52 | 1:38 Std | RB 91 | 8,60 EUR âvbb.de |
| 17:50 â 18:54 | 1:04 Std | EC 55 | ca. 20 EUR âbahn.de |
| 20:06 â 21:31 | 1:25 Std | RB 91 | 8,60 EUR âvbb.de |
| Abfahrt – Ankunft | Dauer | Zug-Nr. | Preis (12/2025) |
| 06:25 â 08:26 | 2:01 Std | R 78563 | ca. 8,50 EUR âkoleo.pl |
| 08:27 â 10:35 | 2:08 Std | R 78565 | „ |
| 10:13 â 12:11 | 1:58 Std | R 78567 | „ |
| 12:42 â 15:01 | 2:19 Std | R 78569 | „ |
| 14:35 â 16:38 | 2:03 Std | R 78571 | „ |
| 16:10 â 18:10 | 2:00 Std | R 78573 | „ |
| 18:39 â 20:47 | 2:08 Std | R 78575 | „ |
| 20:27 â 22:23 | 1:56 Std | R 78577 | „ |
| Abfahrt â Ankunft | Dauer | Zug-Nr. | Preis (12/2025) |
| 05:06 â 05:45 | 0:39 Std | R 80381 | ca. 4,30 EUR âkoleo.pl |
| 06:06 â 06:45 | 0:39 Std | R 80383 | „ |
| 07:13 â 07:52 | 0:39 Std | R 80385 | „ |
| 08:16 â 09:00 | 0:44 Std | R 80387 | „ |
| 09:56 â 10:35 | 0:39 Std | R 80389 | „ |
| 10:56 â 11:35 | 0:39 Std | R 80391 | „ |
| 12:26 â 13:05 | 0:39 Std | R 80393 | „ |
| 13:05 â 13:43 | 0:38 Std | TLK 58110 | „ |
| 13:18 â 14:02 | 0:44 Std | R 78531 | „ |
| 14:23 â 15:07 | 0:44 Std | R 80397 | „ |
| 15:21 â 15:59 | 0:38 Std | R 80399 | „ |
| 16:22 â 17:00 | 0:38 Std | R 80401 | „ |
| 17:33 â 18:18 | 0:45 Std | R 80403 | „ |
| 18:21 â 19:00 | 0:39 Std | R 80405 | „ |
| 20:20 â 21:00 | 0:40 Std | R 80407 | „ |
| 20:57 â 21:36 | 0:39 Std | R 80409 | „ |
| 21:19 â 21:58 | 0:39 Std | R 80411 | „ |
| 22:38 â 23:22 | 0:44 Std | R 78535 | „ |
| 23:43 â 00:28 | 0:45 Std | R 80413 | „ |
| Abfahrt â Ankunft | Dauer | Zug-Nr. | Preis (12/2025) |
| 04:02 â 05:24 | 1:22 Std | RB 26 | 11,20 EUR â vbb.de |
| 05:02 â 06:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 06:02 â 07:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 07:02 â 08:25 | 1:23 Std | RB 26 | „ |
| 08:02 â 09:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 09:04 â 10:24 | 1:20 Std | RB 26 | „ |
| 10:02 â 11:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 11:04 â 12:24 | 1:20 Std | RB 26 | „ |
| 12:02 â 13:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 13:04 â 14:24 | 1:20 Std | RB 26 | „ |
| 14:02 â 15:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 15:04 â 16:24 | 1:20 Std | RB 26 | „ |
| 16:02 â 17:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 17:04 â 18:24 | 1:20 Std | RB 26 | „ |
| 18:02 â 19:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
| 19:04 â 20:24 | 1:20 Std | RB 26 | „ |
| 20:02 â 21:24 | 1:22 Std | RB 26 | „ |
Quelle: âneb.de
*aktuell (Dezember 2025) bekomme ich bei der âDB nur Verbindungen ab/bis Berlin-Lichtenberg angezeigt. Laut der âNiederbarnimer Eisenbahn starten/enden die ZĂŒge aber weiterhin in Berlin Ostkreuz.
1.3 Meine Erfahrungen im Zug
Ich persönlich begab mich auf eine Rundreise von Berlin ĂŒber Frankfurt (Oder) nach Zielona GĂłra, weiter nach GorzĂłw und Kostrzyn, und schlieĂlich zurĂŒck nach Berlin.
Die ZĂŒge waren â mit einer Ausnahme â pĂŒnktlich und eher leer als ĂŒberfĂŒllt. Ich suche mir natĂŒrlich fĂŒr solche Reisen auch Zeiten jenseits der Rush Hour aus, um eine möglichst groĂe Chance auf einen Fensterplatz zu haben.

Zwischen Berlin und Frankfurt fĂ€hrt etwa stĂŒndlich der RE 1 und braucht fĂŒr die Strecke ca. 1:10 Stunden.
Da hier eh das »Deutschlandticket« gĂŒltig ist, habe ich mich auch nicht um eine spezielle Verbindung bemĂŒht und bin einfach nachmittags zum Hauptbahnhof gefahren und in den nĂ€chsten Zug Richtung Oder gestiegen.
Die Regionalbahn von Frankfurt nach Zielona Gora dagegen fĂ€hrt nicht so hĂ€ufig â nĂ€mlich nur alle vier Stunden. Insofern habe ich mir bei meiner Arglosigkeit zumindest vorgenommen, den Zug um 16:10 Uhr zu erwischen.
Das Ticket fĂŒr den polnischen Zug holte ich mir beim freundlichen Personal am Schalter.
đĄ Tipp
Um sich in Frankfurt (Oder) am Bahnhof die Beine etwas zu vertreten, lohnt sich ein Abstecher neben den Bahnhofsvorplatz zur als Eisenbahnersiedlung errichteten Wohnanlage Kiliansberg. Dort erinnert ein recht martialisch wirkendes Denkmal aus dem Jahr 1932 an die im Ersten Weltkrieg gefallenen Eisenbahner, und von hier aus hat man auĂerdem einen netten Blick in Richtung der Grenze.

Mein Zug stand bereits frĂŒh im Gleis, sodass ich mich als Early Bird ĂŒber meine freie Platzwahl freute. Allerdings hat sich die Bahn dann ohnehin kaum (oder gar nicht) mehr gefĂŒllt. Ich hoffe aber, dass der RB91 insgesamt ausreichend genutzt wird, damit der Betrieb langfristig aufrechterhalten werden kann.

Der Zug erreichte sein Ziel pĂŒnktlich um 17:54 Uhr, im MĂ€rz zwar schon nach der Blauen Stunde, aber genau richtig, um den Himmel im Licht eines malerischen Sonnenuntergangs zu erleben.

So weit, so gut – wszystko idzie Ćwietnie!
Die Reise mit der Regionalbahn nach Polen ist scheinbar eine komfortable und zuverlÀssige Option.
Einen Ausfall hat es dann aber doch gegeben: Mein Regionalzug von Zielona GĂłra nach GorzĂłw, den ich auf den letzten DrĂŒcker erreichte, fuhr nur bis ZbÄ szynek, wo wir in einen Ersatzbus geleitet wurden, der insgesamt eher drei Stunden unterwegs war, aber auch konsequent alle Bahnhöfe auf dem Weg anfuhr. Immerhin eine Gelegenheit, auch die kleineren Orte der Region Lebus mal aus der NĂ€he zu sehen.

Die Kleinstadt ZbÄ szynek wurde ĂŒbrigens erst in den 1920er Jahren gegrĂŒndet und trug bis 1945 den Namen »Neu-Bentschen«. Sie entstand infolge des Versailler Vertrags als neuer deutscher Grenzort rund um den neu errichteten Grenzbahnhof und entwickelte sich zu einer typischen Eisenbahnersiedlung.

Der Bus hielt schlieĂlich um die Ecke des Hauptbahnhofs von GorzĂłw, sodass ich umgehend einen Blick auf dessen rostfarbene EmpfangsgebĂ€ude mit seinem sorgfĂ€ltig verspiegelten Portal werfen konnte.
SpĂ€ter bin ich fĂŒr die nĂ€chste Etappe nach Kostrzyn dort wieder eingekehrt und habe die Regionalbahn gen Westen genommen, die mich pĂŒnktlich â und ganz ohne SEV â in die Ruinenstadt brachte.

In gerade mal pendelverkehrsĂŒblichen 40 Minuten fuhr der Zug durch den polychromen Lebuser Sonnenuntergang an die Odergrenze. Mit der hohen Taktung dieser Verbindungen ist diese Tour daher perfekt fĂŒr einen Wochenendausflug.

SchlieĂlich ging es auf der letzten Etappe mit der Oderlandbahn zurĂŒck nach Berlin. Dazu machte mir mein Abenteuerdrang das Leben unnötig schwer.
Ich wollte nĂ€mlich von Kostrzyn zu FuĂ ĂŒber die Grenze nach KĂŒstrin-Kietz marschieren und erst dort in die Bahn nach Berlin-Lichtenberg steigen.
Ich kann nicht einmal sagen, ob ich generell davon abraten wĂŒrde.

Diesen Spaziergang werde ich jedenfalls kein zweites Mal mit einer akut und maximal schwĂ€chenden Magen-Darm-EntzĂŒndung unternehmen.
Laut Google Maps dauert der FuĂmarsch ein gutes StĂŒndchen â mir kam er vor wie drei schlechte Stunden.
Aber doch: die Ăberquerung der BrĂŒcken ĂŒber Warthe und Oder lohnt sich auf jeden Fall.
Der weitere Weg bis zum Bahnhof zieht sich aber arg in die LĂ€nge.

Die Fahrt von KĂŒstrin in die Hauptstadt verlief ganz entspannt, mit wenigen, ĂŒberwiegend deutschen FahrgĂ€sten an Bord.
Die Schaffnerin versuchte mich noch gewitzt zu ĂŒberlisten, indem sie mir die Aussage entlocken wollte, ich sei bereits in Kostrzyn â also noch in Polen â zugestiegen und hĂ€tte fĂŒr den internationalen Teil der Strecke gar kein gĂŒltiges Ticket. Aber nichts da: Ick war ja schlieĂlich zu FuĂ jeloofen!

Die ZĂŒge und ihr Komfort
Die polnischen Regionalbahnen wirken auf mich im Inneren modern und sehr gepflegt, sodass mich gar ein schlechtes Gewissen beschlich, als ich im Zug von Frankfurt nach Zielona GĂłra eine halbe Packung Salzstangen auf dem Boden verteilte (und dann selbstverstĂ€ndlich in den vorhandenen MĂŒlltĂŒten entsorgte).
Was den Komfort betrifft, gibt es Waggons, die offenbar vollstÀndig barrierefrei sind, sodass sich auch Reisende mit eingeschrÀnkter MobilitÀt problemlos bequem machen können.

Auch die WC-Bereiche sind gepflegt und entsprechen modernen Standards. In einigen ZĂŒgen wirst du unter den Sitzen zudem Steckdosen und USB-Ports finden, was das Laden des EndgerĂ€ts deines Vertrauens wĂ€hrend der Fahrt ermöglicht.

Ein kleiner Stolperstein auf dieser Reiseroute ist bisweilen die UnzuverlÀssigkeit des Regionalverkehrs auf deutscher Seite.
Aktuell â im Dezember 2025 â ist etwa die Strecke der RB91 zwischen Frankfurt und Rzepin unterbrochen und wird durch Ersatzbusse ĂŒberbrĂŒckt.
Positiv empfinde ich die »alternativen« Abfahrtsbahnhöfe in Berlin: Die RB26 startet in Berlin-Ostkreuz und hÀlt zudem in Berlin-Lichtenberg.
FĂŒr Nicht-Berliner:innen also eine Gelegenheit, die Hauptstadt auch mal jenseits des Regierungsviertels auf Schienen zu entdecken.
- Informationen zur Oderlandbahn auf der Website der Niederbarnimer Eisenbahn âneb.de/rb26
- Ăberblick zur grenzĂŒberschreitenden Nutzung des Deutschlandtickets (inkl. Polen) bei den Reisereportern âreisereporter.de
2. Meine Highlights in Lubuskie
2.1 Kostrzyn nad OdrÄ
Etwa 80 Kilometer östlich von Berlin, am Zusammenfluss von Warthe und Oder, erstrecken sich die Ăberreste einer preuĂischen Festung, deren Ruinen heute unter dem Beinamen »Pompeji des Ostens« eine wichtige Episode der Geschichte des 20. Jahrhunderts dokumentieren.

Die historische Stadt KĂŒstrin erstreckte sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs ĂŒber beide Ufer der Oder.
WĂ€hrend der deutsche Name »KĂŒstrin« heute noch den auf der deutschen Seite gelegenen Teil, »KĂŒstrin-Kietz«, bezeichnet, trĂ€gt die Stadt auf polnischer Seite den Namen »Kostrzyn nad OdrÄ
«.

In der zweiten HĂ€lfte des 16. Jahrhunderts wurde an diesem Ort eine mĂ€chtige preuĂische Festung zur Sicherung der Oder errichtet, die sich unter dem puritanischen Markgrafen »Johann von Brandenburg-KĂŒstrin« zu einer Residenzstadt entwickelte, die durch den zunehmenden Ausbau der Festung geprĂ€gt war.
De facto bildete sie ein kleines FĂŒrstentum unter Hohenzollern-Verwaltung, das nach Johanns Tod 1571 aufgrund ausgebliebener Erbfolge wieder dem KurfĂŒrstentum Brandenburg zufiel.

Nach ihrer Zerstörung im SiebenjĂ€hrigen Krieg und dem Ausbau durch französische Besatzer war KĂŒstrin Schauplatz zahlreicher ScharmĂŒtzel zwischen napoleonischen und russischen Truppen.
Unter den preuĂischen Königen wurde die Festungsstadt schlieĂlich zu einer der wichtigsten Anlagen an der Oder ausgebaut.
Die Schlacht um KĂŒstrin
Auf der anderen Seite der deutsch-polnischen Grenze erheben sich die Seelower Höhen, wo vom 16. bis 19. April 1945 die Schlacht um Berlin ihren Ausgang nahm, bevor sie bekanntermaĂen am 8. Mai in die Befreiung Berlins von der Naziherrschaft und das Ende des Zweiten Weltkriegs mĂŒndete.
Kurz zuvor, im Februar und MĂ€rz 1945, kĂ€mpfte die Rote Armee in KĂŒstrin wochenlang um die letzte massive Bastion Hitlers. ZunĂ€chst errichteten die sowjetischen Truppen BrĂŒckenköpfe an der Oder und riegelten praktisch die Stadt ab, was zunĂ€chst zur Evakuierung der Zivilbevölkerung fĂŒhrte.

Dennoch sahen sich die Rotarmisten einem zĂ€hen Kampf ausgesetzt, bis es ihnen schlieĂlich Ende MĂ€rz gelang, die Festung der KĂŒstriner Altstadt einzunehmen. Neben tausenden Menschen fielen vor allem durch die tagelangen Bombardierungen rund 90 Prozent der GebĂ€ude der Zerstörung zum Opfer.
Die Festung KĂŒstrin heute
Achtzig Jahre spĂ€ter dokumentieren Ruinen aus Backstein die Spuren der letzten groĂen Schlacht des Zweiten Weltkriegs: Reste von Treppen fĂŒhren in verschĂŒttete Keller, die Grundmauern wurden von der Natur zurĂŒckerobert, und ein lediglich ein Kreuz markiert den Standort der einstigen Kirche KĂŒstrins.

Zweisprachige Schilder mit historischen StraĂennamen machen die Struktur der Altstadt einigermaĂen nachvollziehbar.
Dort, wo sich die Badergasse und die Kietzer StraĂe kreuzen, lĂ€sst sich nicht mal mehr erahnen, dass dieser Weg einst von StraĂenlaternen gesĂ€umt war.
Die Kietzer StraĂe fĂŒhrte einmal vom Kietzer Tor im SĂŒden der Altstadt zum Marktplatz und beherbergte mehrere zentrale militĂ€rische Einrichtungen.

Auch dort, wo sich frĂŒher Schloss, Rathaus und Marktplatz befanden, sind heute nur noch fast vollstĂ€ndig ĂŒberwachsene Ruinen zu sehen.
Einige Teile der Festungsanlage wurden jedoch inzwischen restauriert: Das Berliner Tor im Westen und die Bastion Philipp beim Kietzer Tor dokumentieren zudem mit ihren integrierten Museen die historischen Entwicklungen KĂŒstrins.

TrĂŒmmerberge sind hingegen nicht zu sehen, da die meisten Steine nach dem Krieg fĂŒr den Wiederaufbau nach âWarschau transportiert wurden, das ebenfalls nahezu vollstĂ€ndig zerstört war.
Kostrzyn Neustadt und der Bahnhof
Das historische Kostrzyn ist heute unbewohnt und liegt nur einen Spaziergang von der modernen Neustadt entfernt, in der sich auch der Bahnhof Kostrzyn befindet.

TatsĂ€chlich ist der Bahnhof mit dem alten, fast ikonischen Wasserturm wohl die einzige SehenswĂŒrdigkeit der Stadt.
Das EmpfangsgebĂ€ude stammt ursprĂŒnglich aus dem Jahr 1875, nachdem sich KĂŒstrin zu einem zentralen Eisenbahnknotenpunkt der PreuĂischen Ostbahn mit Verbindungen nach Frankfurt (Oder) und spĂ€ter auch nach Berlin etablierte.

Die leuchtend backsteinrote Fassade des historischen Bahnhofs wurde 2014 umfassend und im Sinne der erhaltenden Denkmalpflege restauriert. Man könnte das GebĂ€ude auf den ersten Blick fĂŒr eine alte Grundschule halten, doch es ist ein echtes StĂŒck preuĂisch-polnischer Eisenbahngeschichte.
Die neue OderbrĂŒcke
Ein spannender, dass die Rote Armee nach der Befreiung KĂŒstrins zuallererst die KĂŒstriner EisenbahnbrĂŒcken wieder auf Vordermann brachte, da diese als Teil der »Ostbahn« eine wichtige Verbindung nach Berlin herstellten.
Die damals errichtete PontonbrĂŒcke ist heute freilich nicht mehr in Nutzung. Bereits in den 1950er Jahren wurde die ursprĂŒngliche EisenbahnbrĂŒcke wiedererrichtet und in Betrieb genommen.

Seit Juli 2024 fahren die ZĂŒge ĂŒber eine neue, zweispurige NetzwerkbogenbrĂŒcke, die als weltweit erste EisenbahnbrĂŒcke mit HĂ€ngern aus Carbon gilt.
FĂŒr diese innovative Konstruktion wurden die Architekten aus Berlin und London auch prompt mit dem Deutschen BrĂŒckenbaupreis 2025 ausgezeichnet.
Quelle: âLand Brandenburg
Seit 2001 gehört die Oder-Warthe-MĂŒndung zum Nationalpark »Park Narodowy UjĆcie Warty« (»Nationalpark WarthemĂŒndung«), in dem du östlich von Kostrzyn 250 Vogelarten entdecken kannst. Der Nationalpark ist ein charmantes Wandergebiet mit kleinen Ferienhöfen.

- Chronologische Ăbersicht zur Schlacht um KĂŒstrin auf der Website des »Museums der Festung KĂŒstrin«:
âmuzeum.kostrzyn.pl - Allgemeine Ăbersicht und FĂŒhrungen der Tourist-Information Kostrzyn nad OdrÄ : âtourist-info-kostrzyn.de
2.2 Zielona GĂłra
Zielona GĂłra ist eine hĂŒbsche, bunte UniversitĂ€tsstadt mit ansehnlich restaurierten BĂŒrgerhĂ€usern und einer sichtbar gelebten, von Stolz getragenen Weinbautradition.

Weintradition und Bacchuspfad
Seit nunmehr 900 Jahren wird hier der feine Göttertrunk gekeltert und vergoren. Zwar hat die Tradition wĂ€hrend der kommunistischen Herrschaft zwischenzeitlich einige Federn lassen mĂŒssen, doch heute ist der lokale Rebsaft so lebendig wie nie. Kein Wunder, dass auch das alljĂ€hrlich zur Weinlese stattfindende âWeinfest »Winobranie« groĂe Beachtung findet.
Im Sommer finden in Zielona GĂłra zudem die »Tage der Offenen Weinkeller« statt, bei denen rund 30 WeingĂŒter aus der Region in sonst unzugĂ€nglichen historischen Kellern ihre Weine prĂ€sentieren.

Eine besondere Attraktion, auch fĂŒr alle, die ein distanziertes VerhĂ€ltnis zum Alkohol haben, sind die ĂŒber 70 Winzerfiguren auf dem »Bacchus-Pfad« entlang der Stadtpromenade.
Ich habe mir zwar nicht jede einzelne dieser in Bronze gegossenen Rebfreunde im Detail angesehen, mich aber trotzdem ausgiebig amĂŒsiert.
Etwas aus der Reihe tanzt der kleine Polizist, der anlĂ€sslich des 100âjĂ€hrigen Bestehens der polnischen Polizei (2019) seinen Platz unter den potenziellen VerkehrsgefĂ€hrdern aus Bronze bekommen hat.
Vermutlich hat eh keiner von ihnen einen FĂŒhrerschein â dafĂŒr erinnern sie uns mit viel Humor an den römischen Weingott Bacchus.
In jedem Fall sind sie ein charmanter kultureller Bonus aus Bronze, der â Ă€hnlich wie in Budapest â die ohnehin schon sehr schmucke Altstadt schmĂŒckt.
Das ehemalige GrĂŒnberg
Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war die Stadt, damals noch unter dem Namen »GrĂŒnberg«, Teil Deutschlands, was sich heute noch in einigen gut erhaltenen historischen Relikten widerspiegelt.

Dazu zÀhlen etwa das elegant schlichte Art-Déco-GebÀude des Lubuski-Theaters von 1931 oder die Evangelisch-Augsburgische Kirche aus dem Jahr 1917.
Das Stadtleben verlĂ€uft anscheinend gemĂ€chlich, besonders in der Innenstadt mit ihrer FuĂgĂ€ngerzone, die von feinen Residenzbauten â vor allem entlang der »Kupiecka StraĂe« â gesĂ€umt wird.

Inmitten des schnuckeligen Stadtzentrums wirst du dich freilich auf dem »Alten Marktplatz« (Stary Rynek) mit seinem quasi-barocken Rathaus und dessen leicht schiefgeratenen Turms wiederfinden.
Von der alten Stadtmauer ist dagegen nicht mehr viel ĂŒbrig. Das wohl prominenteste Relikt â und zugleich ein cooles Fotomotiv â ist der sogenannte »Hungerturm« als Teil der ehemaligen Wehrmauern und des Stadttors aus dem 15. Jahrhundert.
Und wenn du genau hinschaust, entdeckst du auch hier einen kleinen BacchusâKlettermaxe.

Das christliche Zielona GĂłra
Die »Konkatedrale Ćw. Jadwigi« (Kathedrale St. Hedwig) soll im Jahr 1294 fertiggestellt worden sein und gilt damit als Ă€lteste Kirche der Stadt.
Direkt neben der gotischen Backsteinkathedrale befindet sich ein ausdrucksstarkes Mural von Jakub Bitka, das an die »Wydarzenia Zielonogórskie« vom 30. Mai 1960 erinnert: Es zeigt Szenen des Protests der Stadtbewohner gegen die Enteignung des katholischen Gemeindehauses durch die kommunistischen Behörden.
Das Mural ist an der Wand des Pfarrhauses angebracht und basiert auf historischen Fotografien.

Zu diesem christlich-bĂŒrgerrechtlichen Ensemble gesellt sich seit 2020 auĂerdem die Statue von Kazimierz Michalski.
Er war der erste katholische Pfarrer von Zielona GĂłra nach 1945, organisierte das religiöse und gesellschaftliche Leben der Stadt und setzte sich insbesondere fĂŒr den Schutz vor staatlichen Repressalien sowie fĂŒr die Rechte der Kirche ein.
Im Norden der Altstadt bereichert die »Kirche Unserer Lieben Frau von Tschenstochau« in ihrer Fachwerkbauweise die geistlichen Aura des Ortes â ein filigranes GegenstĂŒck zur Backstein-Konkathedrale.

Unter Wein und Palmen
Der Grundstein fĂŒr die Entstehung Zielona GĂłras wurde vermutlich im Mittelalter am FuĂe eines kleinen HĂŒgels gelegt: Auf dem »Winny WzgĂłrze« â dem WeinbergshĂŒgel â steht heute die »Palmiarnia«.
Dieses mittlerweile als tropisches GewĂ€chshaus und gastronomischer Treffpunkt genutzte GebĂ€ude geht auf ein einfaches WinzerhĂ€uschen aus dem Jahr 1961 zurĂŒck, in dem sich heute zwischen Palmen, Kakteen und anderen exotischen PflĂ€nzchen ganz entspannt ein Glas lokalen Rebsafts genieĂen lĂ€sst.
Von seiner Terrasse eröffnet sich ein weiter Ausblick ĂŒber die Stadt sowie den angrenzenden kleinen Weinberg mit Parkanlage.

Freilichtmuseum
Im sĂŒdlich gelegenen Ortsteil Ochla erstreckt sich auf einer FlĂ€che von 117 Hektar das ethnografische Freilichtmuseum dörflicher Kultur, welches einen authentischen Einblick in vergangene lĂ€ndliche Lebensweisen bietet und somit eine weitere Facette des regionalen Erbes sichtbar macht.
2.3 GorzĂłw Wielkopolski
Wie auch Zielona GĂłra trug GorzĂłw ĂŒber mehrere Jahrhunderte einen deutschen Namen: »Landsberg an der Warthe«.
Die Stadt liegt nur 45 Kilometer östlich von Kostrzyn und wurde im 13. Jahrhundert als Teil der Mark Brandenburg als aufstrebendes Handelszentrum an der Warthe gegrĂŒndet und ist de facto erst seit Ende des Zweiten Weltkriegs polnisch.

Der Hauptbahnhof »GorzĂłw Wielkopolski â stacja kolejowa« liegt praktisch direkt am Ufer der Warthe.
Von hier aus erreichst du in nur einer knappen Viertelstunde die zentrale »AltstadtbrĂŒcke« (»Most Staromiejski«), deren Laternen-Ensemble bisweilen als Touristenattraktion gilt â ob das wirklich so ist, sei dahingestellt.
Einen schönen Blick ĂŒber das schimmernde Flussband der Warthe hast du hier auf jeden Fall.

Trotz der Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg, bei denen rund 60 Prozent der Stadt in Mitleidenschaft gezogen wurden, lÀsst sich ihre Geschichte an der erhaltenen Bausubstanz teilweise noch gut ablesen.
Dazu kannst du dich vom Fluss aus einmal nach oben und einmal nach unten abarbeiten: Die AltstadtbrĂŒcke fĂŒhrt vom nördlichen Teil der Stadt, beginnend an der Uferpromenade »Bulwar NadwarciaĆski«, hinĂŒber zum Aussichtsturm »WieĆŒa widokowa Dominanta« im SĂŒden.
Die Speicher von Zawarcie
Im sĂŒdlichen Stadtteil »Zawarcie« kannst du dich im »WeiĂen Speicher« (»BiaĆy Spichlerz«) und im »Roten Speicher« (»Czerwony Spichlerz«) in authentischem Ambiente mit der Geschichte GorzĂłws beschĂ€ftigen.

WĂ€hrend der backsteinerne Rote Kornspeicher noch gegen seinen eigenen Verfall ankĂ€mpft und nach einer erquickenden neuen Nutzung lĂ€chzt, beheimatet der WeiĂe Speicher heute das »Spichlerz Museum«.

Das dreigeschossige FachwerksgebĂ€ude stammt aus dem Jahr 1723 und diente ĂŒber Jahrhunderte als Getreidelager.
Seit 1976 steht das Haus unter Denkmalschutz und beherbergt heute eine vielseitige Dauerausstellung, die Themen von der StadtgrĂŒndung ĂŒber die Industrialisierung im 19. Jahrhundert, Kriege und Naturkatastrophen bis hin zu den »schwierigen AnfĂ€ngen« des polnischen GorzĂłw ab 1945 behandelt.
Die Altstadt und der Paucksch
Am nördlichen Wartheufer lÀdt die lange Promenade mit ihren ikonischen Eisenbahnbögen dazu ein, den sportlichen Kanuten (oder sind es vielleicht Kajaken?) beim aktiven Treiben zuzuschauen oder in einem der zahlreichen Cafés zu chillen.
An dieser Stelle bewirbt sich Gorzow als Premium-StĂ€dtetrip fĂŒr laue Sommertage und -abende.

Diesseits des Norfdufers erhebt sich die gotische Backsteinkathedrale »MariĂ€ Himmelfahrt« aus dem 13. Jahrhundert â mit ihrem wuchtigen Turm und farbigen Glasfenstern.
Die Kathedrale steht direkt am alten Marktplatz, gleich neben dem berĂŒhmten »Paucksch-Brunnen«.
Obendrauf balanciert eine Frau mit Tragejoch und Eimern â ein kleiner GruĂ an die fleiĂigen Leute der Stadt und die Warthe als Lebensader.

Hermann Paucksch, nach dem der Brunnen benannt ist, war ein angesehener Industrieller und groĂzĂŒgiger Gönner.
Mit seiner Kessel- und Dampfmaschinenfabrik sowie der EinfĂŒhrung moderner Sozialkassen hat er die Region im 19. Jahrhundert wirtschaftlich und sozial auf Vordermann gebracht.
Besonders das frĂŒhere Arbeiterviertel Zawarcie sĂŒdlich der Warthe hat von seinem Engagement ordentlich profitiert. Dort kannst du dir auch heute noch die »Paucksch-Villa« ansehen: da, wo die Warthe eine scharfe Biegung vollzieht. Das Haus war die Familienresidenz der Pauckschs, deren Interieur teilweise bis heute erhalten ist.
Von hier aus lohnt sich ein entspannter Spaziergang durch die grĂŒnen Wartheufer im Osten der Stadt â mit dem Stausee »Kacze DoĆy«, einem ehemaligen Flussbett der Warthe.

ZurĂŒck im Norden der Stadt wartet noch das »Jan-Dekert-Museum des Lebuser Landes« in einer schicken neobarocken Villa eines ehemaligen Fabrikanten auf dich.
Hier gibtâs alles von regionaler Kunst bis Stadtgeschichte â und das Ganze ist sogar das Ă€lteste Museum in der Region. Wer dann noch Lust auf ein bisschen Natur hat, sollte den »Siemiradzki-Park« auf den AltstadthĂŒgeln nicht verpassen: mit Aussichtspunkt, Amphitheater und einer Treppe, die einfach im GrĂŒnen verschwindet.
GorzĂłw und der Motorsport
Ein besonderes Steckenpferd GorzĂłws ist die Begeisterung fĂŒr Motorradrennen. An der zentralen Kreuzung, unweit des Stadtparks »Park Wiosny LudĂłw«, steht seit 2005 die Statue von Edward Jancarz, einer Legende des Speedway-Sports â tragischerweise im Alter von 45 Jahren von seiner Ehefrau erstochen.
Auch das hiesige Stadion im Stadtteil Zawarcie und die StraĂe am Hauptbahnhof sind nach ihm benannt.

Quelle: âspeedweek.com
- Ăbersichtsartikel zum Leben und Schaffen von Herrmann Paucksch:
âencyklopedia.wimbp.gorzow.pl
Fazit
Eine Zugreise ins Lebuser Land ist unkompliziert und auch gĂŒnstig â mit der Regionalbahn gelangst du bequem von Deutschland nach Polen und kannst auch innerhalb der Woiwodschaft Lubuskie flexibel ĂŒber die Schienen flitzen.
Das Lebuser Land bildet einen ĂŒberschaubaren Radius zwischen Westpommern im Norden und Niederschlesien im SĂŒden und eignet sich ideal fĂŒr kurze Entdeckungstouren abseits groĂer Metropolen.
Auch wenn ich mir selbst angesichts der Jahreszeit (Anfang MĂ€rz) wenig Natur gegönnt habe, macht allein der Nationalpark WarthemĂŒndung Lust auf ausgedehnte Wanderungen und Vogelbeobachtungen in der weiten Flusslandschaft.
Die StĂ€dte der Region erzĂ€hlen eine FĂŒlle an Geschichten â nicht nur durch ihre deutsche Vergangenheit und die Spuren des Zweiten Weltkriegs, sondern auch durch kleine Details wie die Bronze-Winzerfiguren in Zielona GĂłra.
Die Zugverbindungen funktionieren meistens zuverlÀssig, aber gerade auf den Strecken zwischen Berlin und dem Osten Brandenburgs ist hÀufiger mit Schienenersatzverkehr zu rechnen.
Daher lohnt es sich, vor der Reise bei DB, VBB und NEB zu prĂŒfen, ob alle Verbindungen wie geplant fahren.
đ Bist du auch schonmal mit dem Zug nach Polen gereist?
- Wie sind deine Erfahrungen in den RegionalzĂŒgen? Oder warst du mit den polnischen SchnellzĂŒgen unterwegsâ
- Hast du weitere Tipps fĂŒr die Reise durch Westpolenâ
- Ich bin gespannt, in den Kommentaren von deinen Erfahrungen zu lesen und freue mich auch auf deine Fragenâ
â Kontaktiere mich auch gerne auf meinen Social Media-KanĂ€len oder per E-Mail: hello@east-rail-stories.de
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Ganz lieben Dank, Dennis
FAQ
Wie buche ich Zugtickets fĂŒr das Lebuser Land?
Internationale Tickets gibt es online bei der Deutschen Bahn oder mit der VBB-App. FĂŒr polnische RegionalzĂŒge nutzt du am besten die Buchungsportale der PKP oder Koleo. Die Tickets gibt’s aber auch an den Bahnhöfen.
Gilt das Deutschlandticket bis nach Polen?
Nein, das Deutschlandticket gilt nur bis zur letzten deutschen Station, z.B. KĂŒstrin-Kietz oder Frankfurt (Oder).
Wie oft fahren die RegionalzĂŒge in Lubuskie?
Zwischen den wichtigsten StĂ€dten verkehren die ZĂŒge meist im Zwei- bis Vier-Stunden-Takt, manche Verbindungen auch stĂŒndlich.
Sind die Bahnhöfe und ZĂŒge barrierefrei?
Viele Bahnhöfe und ZĂŒge bieten Barrierefreiheit, z.B. mit Rampen und behindertengerechten WCs, besonders in modernen RegionalzĂŒgen. FĂŒr weitere Informationen zum Thema empfehle ich die Seite âbarrierefreier-tourismus.info
Welche Highlights sollte ich unterwegs nicht verpassen?
Sehenswert sind die Ruinenstadt Kostrzyn, die Weintradition in Zielona GĂłra, die Speicher und die Promenade in GorzĂłw sowie zahlreiche Natur- und Kulturerlebnisse entlang der Strecke.

