Nahaufnahme von vietnamesischem Personenzug. In der Mitte die Fensterreihe mit Gitter, auf blauem Hintergrund des Waggons. Unten ist der Waggon rot. Blauer Himmel über dem Waggon. Schriftzug "Im Zug durch Vietnam" oben im Bild. Links eingefügt ist die rote Landkarte Vietnams mit gelbem Stern.

Mit dem Zug durch Vietnam: Eine Tour in 4 Etappen – und Endstation einer langen Reise

Zu den spannendsten und sicher schönsten Zugreisen in Asien gehört die Tour mit dem Zug durch Vietnam. Die Nord-Süd-Bahn, die seit 1976 wieder die Hauptstadt Hanoi mit Ho-Chi-Minh-Stadt (Saigon) verbindet, führt streckenweise entlang der Küste des Südchinesischen Meers, oder des Ostmeers (Biển Đông), wie es in Vietnam heißt. Eine Tour mit atemberaubenden Aussichten und kulturellen Highlights.

Auf meiner großen Zugreise von Berlin nach Saigon (2016) führte der letzte Abschnitt durch dieses langgestreckte Küstenland in Südostasien. Netto beträgt die Fahrtzeit von Hanoi nach Saigon zwischen 32 und 34 Stunden. Ich habe mir für diese Route ca. drei Wochen Zeit genommen, um auch etwas mehr vom Land zu sehen und zu genießen. Ein spannender Part war für mich natürlich erstmal der Grenzübergang zwischen China und Vietnam – ebenfalls im Zug. Insgesamt ging dieser Teil der Reise über vier Streckenabschnitte:

  1. Von Nanning (China) nach Hanoi
  2. Von Hanoi nach Dong Hoi
  3. Von Dong Hoi nach Hue
  4. Von Hue nach Ho Chi Minh City (Saigon)

Ausgangsort – Nanning in Südchina

Da ich meine Reise nach und durch Vietnam im Rahmen einer größeren Zugreise unternommen habe, war klar, dass ich von China aus einreisen würde. Die Stadt Nanning (南宁) in der südchinesischen Provinz Guangxi ist der Ausgangspunkt, um mit dem Zug nach Vietnam einzureisen.

Wegen der Nähe zur Grenze (ca. 160 km) gibt es in der Stadt bereits den ein oder anderen Vorgeschmack auf Vietnam. Viele Händler, aber auch einheimisch gewordene vietnamesische Gastronomen verleihen Nanning einen gewissen interkulturellen Touch. Neben Sprache und Küche ist mir hier besonders die Montur einiger Rollerfahrer:innen aufgefallen. In Vietnam ist es nicht unüblich, dass sich einige Leute komplett vermummen, inklusive Koch-Handschuhe, um sich vor der Sonne zu schützen. Auch in Nanning teilen viele diesen Pragmatismus.

Links unten ein Motorroller mit vermummtem Fahrer an einer kleinen Kreuzung. Er trägt ein rosa Tuch über einem Baseballcap. Das Tuch bedeckt das ganze Gesicht und die Schultern.
Einstimmung auf Vietnam – vermummte/r Roller-Fahrer/in in Nanning.

Im Zug von China nach Vietnam: Nanning ➜ Hanoi

Die Eisenbahnverbindung nach Vietnam wurde erstmals im Jahr 1952 eröffnet und bietet seit 2009 auch im Personenverkehr Passagieren die Möglichkeit im Nachtzug bis nach Hanoi (Hà Nội) zu reisen. Zug Nr. T8701 fährt jeden Abend um 18:05 h von Nanning Railway Station (南宁站) ab und erreicht die vietnamesische Hauptstadt am nächsten Morgen nach 10 Stunden und 40 Minuten Fahrt um 4:45 h am Bahnhof Hanoi Gia Lâm.

Bahnsteig am Bahnhof Nanning. Links steht der grüne Nachtzug nach Vietnam. Touristen mit Rucksäcken steigen ein.
Abfahrt in Südchina – Bahnsteig am Bahnhof von Nanning (南宁)

Bedenke, dass du gegebenenfalls einen Transfer vom Ostbahnhof (Nanning East, 南宁东站) zum ~10 km entfernten Abfahrtsbahnhof einplanen solltest, zumal dort insbesondere die Fern- und Schnellzüge eintreffen. Wir kommen 2016 aus Guiyang (贵阳) in Nanning East ein und entscheiden uns der Einfachheit halber für ein Taxi. Dauert 20-30 Minuten und kostet 35 Yuan (~5 €). Es gibt aber auch eine Metro (Linie 1), die beide Bahnhöfe miteinander verbindet.

Zum Boarden solltest du rechtzeitig am Bahnhof sein, da es an chinesischen Bahnhöfen bisweilen sehr lange Schlangen geben kann. Bedenke, dass die Abfertigung ähnlich wie an Flughäfen ist. Das heißt, es gibt bei Zutritt zum Bahnhof Ticket- und Passkontrollen sowie einen Sicherheitscheck. Daher: fahre mindestens 1 Stunde vor Abfahrt zur Nanning Railway Station (南宁站).

Nahaufnahme der Zugaufschrift an einem vietnamesischen Waggon. Dort steht "Nanning -Hanoi"  in Chinesisch und Vietnamesisch.
Zweisprachige Beschriftung auf einem vietnamesischen Waggon. Nam Ninh ist Vietnamesisch für Nanning.

Der Zug entspricht im Prinzip den Nachtzügen des chinesischen Inlands-Eisenbahnverkehrs. Es gibt die üblichen „Soft Sleeper„-Abteile, in denen 4 Personen Platz auf bequemen Kojen finden. Wir reisen zu zweit und haben das gesamte Abteil für uns alleine. Einerseits Glück, andererseits natürlich auch keine direkte Interaktion mit Locals oder vietnamesischen/chinesischen Handelsreisenden. Tatsächlich ist auch der ganze Waggon überwiegend von anderen Backpackern belegt.

Innenansicht eines Soft Sleeper-Abteils im Nachtzug nach Vietnam. Im Hintergrund das Zugfenster, davor eine Flasche. Links und rechts die hellen Bezüge der Kojen.
Soft Sleeper im chinesischen Nachtzug.

Der Nachteil von Nachtzügen ist natürlich, dass man meist nicht allzu viel von den Landschaften sieht. Je nachdem, wann der Zug startet. In Südchina/ Vietnam ist es im Sommer nach 20:00 h eigentlich schon ziemlich düster. Das reicht bei einer Abfahrtszeit um 18:00 h immerhin, um einen fantastischen Blick auf den Sonnenuntergang hinter der Karstlandschaft zu genießen. Keine schlechte Voraussetzung, um hinterher entspannt zum Klang des Schienen-Klackerns in den Schlaf zu entschwinden.

Sonnenuntergang hinter der südchinesischen Karstlandschaft. Proving Guangxi, nahe der vietnamisischen Grenze.
Sonnenuntergang in Südchina.

Der Schlaf ist jedoch vorerst von nur recht kurzer Dauer. Denn um 23:22 h trifft der Zug – etwa auf halber Strecke – am Bahnhof von Đồng Đăng ein. Der Grenzstadt auf vietnamesischer Seite. Hier müssen wir den Zug verlassen und zur Passkontrolle in die Haupthalle des Bahnhofs. Und zwar samt Gepäck: für die Zoll-Kontrolle. Interessanterweise wird hier nicht jeder gleichermaßen kontrolliert. Ich persönlich darf die Zoll-Schlange direkt verlassen – viele meiner Mitreisenden müssen das Prozedere über sich ergehen lassen. Was die Auswahlkriterien sind, erschließt sich mir nicht. Insgesamt geht es aber doch recht schnell, besonders im Vergleich zu anderen Grenzübertritten im Zug.

Haupteingang am Bahnhof Dong Dang im Dunkeln. Über dem Eingang eine halbrunde Markise. Im Innern ist der Bahnhof rot beleuchtet.
Am vietnamesischen Grenzbahnhof in Đồng Đăng.

Nach etwa einer Stunde geht es weiter. Mit dem Gepäck erstmal zurück in den Zug und für viele Mitreisende heißt es: Brillengläser und Kameralinsen frei wischen. Denn die Luftfeuchtigkeit von ca. 80 % – es ist Regenzeit im Juli – schlägt sich direkt nieder. Im Zug ist es jedoch gut auszuhalten und wir haben noch entspannte 4 Stunden Fahrt vor uns, bis wir in der Früh am Bahnhof Hanoi Gia Lâm eintreffen und erneut von den 80 %, diesmal bei morgendlichem Sonnenschein, begrüßt werden.

Bahnsteig am Bahnhof Hanoi Gai Lam. Links der chinesische Zug nach Ankunft aus Nanning. Davor aussteigende Passagiere. Das Bild ist etwas trüb wegen der hohen Luftfeuchtigkeit.
Ankunft am Bahnhof von Hanoi – bei 80% Luftfeuchtigkeit beschlägt dann auch mal die Linse.

Gia Lâm liegt im Nordosten Hanois. Es ist zwar relativ nah zur Innenstadt, jedoch ist ein Taxi unter diesen Bedingungen eine angenehme und günstige Option, zum Hotel/ Hostel zu gelangen. Auf der Fahrt fällt mir auf, dass die Stadt um 5:00 h morgens schon ziemlich lebendig ist. In Ostasien startet und endet der Tag eben etwas früher als in Europa.

Die meisten suchen sich eine Unterkunft in der quirligen Altstadt von Hanoi, was ich selbst auch empfehlen kann. Mehr Infos dazu findest du z. B. auf faszination-südostasisen.de.

Die vielen Sehenswürdigkeiten in Vietnams Hauptstadt gibt es an anderer Stelle. Hier nur ein kurzer Blick auf mein Highlight in Hanoi.

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Highlight in Hanoi

Ho-Chi-Minh Mausoleum

Inmitten des riesigen Platzes „Da Binh Square“ steht ein begehbares, von weiß gekleideten Soldaten bewachtes Monument zu Ehren des Präsidenten Hồ Chí Minh. Die Besonderheit: Er ist selbst Teil der Sehenswürdigkeit. Sein Körper liegt einbalsamiert in einer zentralen Halle des Mausoleums und kann von Besuchern besichtigt werden. Man wird allerdings in sehr schneller Taktung durch den Raum „geschickt“, und Fotos sind nicht erlaubt. Dennoch ein ganz besonderer, ungewöhnlicher Ort, den du dir nicht entgehen lassen solltest, wenn du in Hanoi bist.

Geöffnet: (Eintriff frei)
Apr-Sep: Di./Mi./Do.: 7:30-10:30 Sa./So.: 7:30-11:00
Dez-Mär: Di./Mi./Do.: 8:00-11:00 Sa./So.: 8:00-11:30

Tipp: Buche eine kostenlose Stadtführung

Ho Chi Minh Mausoleum auf Ba-Đình-Platz  in Hanoi bei einem bewölkten Tag in der Regenzeit.
Ba-Đình-Platz im Zentrum Hanois. Berühmt für das Ho-Chi-Minh Mausoleum.

Im Zug von Nord- nach Zentral-Vietnam: Hanoi ➜ Dong Hoi

Die nächste Etappe führt vom zentralen Bahnhof in Hanoi (Ga Hà Nội) nach Dong Hoi (Đồng Hới). Der Beginn der insgesamt 1730 Kilometer langen Reise zwischen der Hauptstadt und der südlichen Metropole Saigon, auf der Strecke des legendärenWiedervereinigungs-Express.

Schaffner in blauer Uniform mit dunkelblauer Krawatte steht neben der Eingangstür zu einem Waggon (links im Bild). Der Bahnsteig ist ansonsten menschenleer und beleuchtet.
Am Bahnsteig in Hanoi.

Dieser erste Anschnitt ist bereits eine relativ lange Reise – vom karstigen Norden des Landes führt sie in das sehr schlanke, von der Küstenlinie geprägte Zentralvietnam. Auch hier ist der Nachtzug die Option der Wahl. Die Fahrt dauert etwa 10 Stunden und wird ganz entspannt und komfortabel in einer 4er-Schlafkabine im Soft Sleeper verbracht.

Zug der Vietnamesischen Eisenbahn. Nahaufnahme von Waggon. Oben Fensterreihe auf blauem Hintergrund. Darunter schmale weißer Streifen, darunter rote Lackierung mit Aufschrift "đường sắt việt nam" in gelb.
Vietnamesische Eisenbahn = Dường Dắt Việt Nam

Es gibt unterschiedliche Zugtypen, die diese Strecke bedienen. Wenn du etwas mehr Komfort genießen möchtest, bietet sich der etwas mehr auf Touristen ausgelegte und entsprechend höherpreisige Zug Nr. SE19 an, der sogenannte 5-Sterne-Expresszug, oder Lotus Expresstrain, der seit 2019 zwischen Hanoi und dem Urlaubsort Da Nang verkehrt. Für die „normalen“, günstigen Züge sind Tickets im Schlafabteil ab ca. 35 Euro zu haben, und die Kojen sind auch darin sehr komfortabel.

Innenansicht eines Soft Sleeper-Abteils im vietnamesischen Nachtzug. Blich Richtung Fenster. Doppeldecker-Betten. Vor dem Fenster stehen zwei Wasserflaschen
Einfaches 4er-Schlafabteil in einem günstigen Nachtzug.

Und auch frisch gekochtes Abendessen wird in den Zügen günstig verkauft: Die Verkäufer:innen ziehen mit warmen Buffets aus dem Speisewagen durch die Gänge und servieren einfache Kost. Die meisten Passagiere scheinen zuzugreifen. Das gehört hier dazu, und offenbar bezahlt man hier eben nicht die gezielt überhöhten Preise, die man aus europäischen Zügen kennt. Nur an vegetarischen Optionen hat es im Jahr 2016 noch gefehlt.

Orangener Sonnenuntergang. Unten die Landschaft schon fast komplett dunkel.
Vietnamesischer Sonnenuntergang.

Auch diese Fahrt ist wieder sehr kurzweilig. Eine Reise in den verwunschenen, warm getönten südostasiatischen Sonnenuntergang, ein ruhiger Schlaf zum Clickety-Clack, dem monoton-musikalischen Zusammenspiel von Rad und Schiene auf dem Weg Richtung Süden. Ausgeschlafen und entspannt suchen wir uns vor dem Bahnhof ein Taxi. Der Fahrer bietet mir seine, in Berlin lebende Tochter zur Heirat feil: 20.000 €. Ich lehne ab und werde dennoch sicher zum Hostel gefahren.

Fassade vom Bahnhof Dong Hoi am Haupteingang. Einfaches Gebäude mit eckigem Dach. Darunter einer Uhr, Großer Schriftzug "Ga Dong Hoi" in Rot über der Zugangstreppe. Wenige Leute und Autos stehen davor.

Es liegt direkt an der Ruine der Tam Tòa-Kirche. Auch wenn die Stadt selbst nicht wirklich besonders schön ist, und auch die Strände vergleichsweise trist und verlassen erscheinen, gefällt mir die entspannte Atmosphäre. Es fühlt sich an, als sei den ganzen Tag Siesta an der Promenade von Dong Hoi. Ein guter Ort für eine Verschnaufpause. Aber auch eine gute Homebase für Ausflüge ins spektakuläre Umland!

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Highlight in Dong Hoi

Nationalpark Phong Nha-Kẻ Bàng

An der Grenze zu Laos befindet sich eine riesige Karstlandschaft mit Grotten, Unterwasserflüssen und komplexen Höhlensystemen – mitunter die wohl größte Höhle der Welt. Darin eingebettet ein Dschungel mit seltenen Tier- und Pflanzenarten. Wenn du einen Tag Zeit hast, solltest du in deiner Unterkunft eine der umfangreichen Tagestouren durch den Park mit den beeindruckenden Höhlenbesichtigungen buchen. Für mich ist die Bootstour durch die Phong Nha-Höhle das große Highlight. Die Tour ist natürlich sehr „massentouristisch“ organisiert, aber es lohnt sich!

Volle Touristenboote vor der Phong-Nha-Höhle in Zentralvietnam. Der Fluss führt ins Höhleninnere links hinten im Bild. Boote rechts ins Bild kommend. Passagiere tragen orangene Schwimmwesten.
Ausflug mit dem Boot durch die Phong Nha-Höhle.

Abstecher in die alte Kaiserstadt: Dong Hoi ➜ Hue

Die nächste Etappe auf der Route ist quasi eine Kurzstrecke. Von Dong Hoi in die alte Hauptstadt Hue (Huế) dauert die Zugfahrt etwa 3 Stunden, in einer der gleichen Zuglinien, die aus Hanoi kommend Da Nang (Đà Nẵng) ansteuert. Ähnlich wie in der Stadt und am Strand ist auch am Bahnhof von Dong Hoi nicht viel los. Der ein oder andere Triebwagen passiert den Bahnsteig. Einige wenige Fahrgäste warten geduldig auf schattigen Plätzen. Viel scheint der Schatten nicht gegen die feuchte Hitze ausrichten zu können… immerhin ist er wirksam gegen Sonnenbrand.

Leerer Bahnsteig in Dong Hoi. Ein einzelner Triebwagen fährt - links im Bild - vorbei. Vorne auf dem Wagen steht ein Mann mit grünem Hut und blauer Uniform. Rechts im Bild eine Frau mit Hut und Tasche auf einer Bank.
Nicht viel los am Bahnhof von Dong Hoi.

Als der Zug eintrifft, wird es dann doch etwas lebendiger. Viele Reisende steigen aus und eilen über die Gleise Richtung Ausgang. Und machen Platz für neue Fahrgäste. Die sind nicht besonders zahlreich, und so sind der Waggon und das Abteil relativ leer. Eine lange Fahrt steht ohnehin nicht an. Aber eine inspirierende.

Menschen verlassen einen vietnamesischen Zug. Zug steht rechts im Bild. Menschen laufen links daneben auf den Gleisen Richtung Bahnsteig, ganz links im Bild.
Plötzlich doch viel los am Bahnhof von Dong Hoi.

Diesmal fahren wir am Nachmittag in den Abend hinein. Daher gibt es etwas mehr zu sehen. Insbesondere mehr Landwirtschaft, die sich im Tageslicht zeigt. Vor allem Reis. Nicht so sehr die elegant geschwungenen Reisterrassen, wie man sie etwa aus dem Norden Vietnams kennt, sondern flache, rechteckige Felder mit schmalen Korridoren. Vietnam gehört zu den fünf größten Reisproduzenten weltweit (Quelle: www.atlasbig.com), und das ist vom Zug aus sichtbar. Von nix kommt nix.

Grüne Reisfelder mit Korridoren. In der Mitte stehen zwei Reisbauern mit einem Motorrad. Der Himmel ist blau mit einer langen Wolke.
Flache Reisfelder in Zentralvietnam.

Reisbauern fahren auf Motorrädern an die Felder. Ich sehe einen Landwirt auf seinem Gefährt, mit einem Plastikkanister auf dem Rücken, der mich erahnen lässt, mit welchen Methoden hier Effizienz und Ertrag gesichert werden. Ich weiß natürlich nicht genau, was darin enthalten ist. Jedoch gehört Vietnam – und Südostasien allgemein – zu den Regionen mit größeren gesundheitlichen Folgeschäden vom landwirtschaftlichen Pestizidgebrauch. Jeder vierte bis fünfte Kleinbauer klagt über Beschwerden (Quelle: Pestizidatlas 2022). Ich habe den Eindruck, dass dieser unschöne Aspekt hier sichtbar ist.

Links fährt ein Reisbauer mit vietnamesischem Strohhut auf einem Motorrad ins Bild. Auf dem Rücken trägt er einen gelben Kanister. Hinter ihm verlaufen Eisenbahnschienen. Im Hintergrund ein See und grüne Büsche.
Reis-Farmer/-in mit Kanister auf dem Rücken.

Dennoch zeigt sich das Land auch auf diesem Abschnitt wieder von seiner schönen Seite. Mit romantischem Sonnenuntergang hinter Flussdelta und dschungeliger Landschaft. Nur diesmal ohne Nachtruhe. Am frühen Abend wird schon wieder ausgestiegen. Planmäßige Ankunft des Zuges SE7 ist 20:22 h.

Ein breiter Fluss, links und rechts von Dschungel umgeben. Hinten rechts geht die Sonne unter und färbt den Himmel pink-orange. Leichte Bewölkung.

Und so erreichen wir den Bahnhof in Hue, an den Ufern des Parfüm-Flusses (Sông Hương), vor den Toren der alten Kaiserstadt. Nicht nur durch den Schmuck der Worte ist Hue ein sagenhafter Ort. Die Stadt war zwischen 1802 und 1945 Hauptstadt von Vietnam – die Zeit der Nguyễn-Dynastie, der letzten kaiserlichen Dynastie Vietnams. Zuletzt noch als Marionettenregime der Franzosen. Der Rest ist Geschichte. Auch der Rest des Kaiserpalastes: Eine einst von der Verbotenen Stadt in Peking inspirierte, kaiserliche Residenzstadt. Sicher ist dies nicht nur mein persönliches Highlight, sondern die Sehenswürdigkeit schlechthin in Hue.

Hauptgebäude des Bahnhofs von Hue in Vietnam. Über dem Eingang leuchtet der Schriftzug "Ga Hue" in großen orangenen Buchstaben. Davor stehen einige Menschen. Es ist dunkel.
Ankunft am Bahnhof Hue (Ga Huế) am Abend.

Wie auch in den anderen Städten Vietnams ist es in Hue eine relativ günstige Variante, mit dem Taxi von A nach B zu gelangen – aber nur bei seriösen Firmen und mit Taxameter! Wenn sich deine Unterkunft ohnehin in Altstadtnähe befindet, sind die Wege auch kurz genug, um zu Fuß bewältigt zu werden.

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Highlight in Hue

Zitadelle und Kaiserpalast

Die große von Mauerwerk und Kanälen umgebene Verbotene Stadt befindet sich tatsächlich mitten in der City von Hue und bietet genug zu sehen, um dort einen halben Tag zu verbringen. Zwar handelt es sich bei diesem UNESCO-Weltkulturerbe weitgehend um wenig sanierte Bauwerke, es ist also nicht ganz so glanzvoll wie sein berühmtes Pendant in Peking, doch genau dies versprüht auch einen eigenen kulturellen und historischen Charme. Eben den Charme einer alten Kaiserstadt. Wenn du eine kulturelle Vietnam-Reise planst, empfehle ich, die Zitadelle unbedingt ins Programm aufzunehmen.

Geöffnet: 7:00 – 17:00 h, Eintritt: 200.000 VND (8,50 €)

Im Vordergrund eine Verkehrsbrücke über einen Graben mit Wasser (rechts im Bild). Auf der Brücke kommen links zwie vermummte Rollerfahrer entgegen. Im Hintergrund das ein steinernes Tor durch die Mauer der Zitadelle Hue.
Zufahrt zur Zitadelle über den Wassergraben.

Über den Wolkenpass nach Südvietnam: Hue ➜ Ho Chi Minh City (Saigon)

Das ganz große landschaftliche Highlight meiner Zugfahrt durch Vietnam wartet auf dem südlichen Streckenabschnitt Zentralvietnams: auf der Etappe von Hue nach Saigon. Genau genommen handelt es sich um den Abschnitt zwischen Hue und Da Nang, dem Hai-Van-Pass (Đèo Hải Vân), oder auch Wolkenpass genannt.

Rechts Bahnsteig mit wartenden Fahrgästen. Links daneben zwei Gleise. Hinten im Bild läuft eine Person über die Schienen. Links blau-weiß-rote Waggons auf dem Abstellgleis.
Warten auf den Zug am Bahnhof von Hue.

Dabei handelt es sich um einen etwa 21 Kilometer langen Gebirgspass, der auch als klimatische und (einst) geopolitische Grenze zwischen dem Norden und Süden des Landes gilt. Mit etwas Glück, das heißt, wenn du keinen allzu vernebelten Tag erwischst, hast du hier eine fantastische Aussicht über die Küstenbuchten des Südchinesischen Meeres. Hinweg über Dschungel und Sandstrände. Ich habe Glück: im Juli 2016 – oder wenigstens an diesem einen Tag – sind Wetter und Aussicht fantastisch.

Türkises Wasser in einer Bucht am Wolkenpass. Die Bucht mittig im Bild, links, unten und rechts umgeben von grünen Hügeln.
Meeresbucht an einem sonnigen Tag.

Die meisten und schönsten Film- und Fotoaufnahmen von Zugreisen durch Vietnam stammen vermutlich von diesem Gebirgspass. Du solltest hier daher auch unbedingt bei Tageslicht durchreisen. Also nicht erst am Abend in Hue in einen Nachtzug steigen, sondern einen der morgendlichen Züge SE1, SE3, SE5 oder SE11 nehmen. Ganz besonders hier ist es vorteilhaft, sich in Nord-Süd-Richtung fahrend auf der linken Seite im Waggon aufzuhalten. Im Schlafwagen ist dies bei meiner Reise der Bereich im Gang.

Rechts der vordere Zugteil in der Linkskurve auf einem Viadukt auf dem Wolkenpass. Umgeben von grünem Dschungel. Links unten türkises Wasser in einer Bucht mit Felsküste. Sichtfeld leicht beschlagen.
Über die Viadukte des Hai-Van-Passes.

Nach diesem Spektakel auf einer der spannendsten Zugstrecken Asiens ist noch genug Zeit, die Eindrücke entspannt sacken zu lassen. Die Fahrt von Hue bis nach Saigon – der letzte Abschnitt meiner langen Zugreise, die 3 Monate zuvor in Berlin startete – ist auch der längste meiner vier Etappen innerhalb Vietnams: ca. 20 Stunden verbringe ich im Soft Sleeper, d.h. im 4er-Schlafabteil, bevor ich endlich den Bahnhof von Saigon/ Ho-Chi-Minh-Stadt erreiche.

Rechts der Triebwagen des Nachtzugs am Bahnsteig von Saigon. Frontansicht. Links laufen Passagiere Richtung Ausgang. Es ist dunkel.
Ankunft in Saigon. Das (vorläufige) Ende einer langen Reise.

Es ist früh am Morgen. Dunkel, heiß und feucht. Ein besonderer Moment. Für die meisten Menschen, die hier aussteigen, ist es vielleicht nur ihre tägliche/wöchentliche/monatliche Routine. Viele Reisende drängeln sich auf dem Bahnsteig, auf dem Weg zum Hauptausgang. Gar nicht so leicht, ein Abschiedsfoto vom blau-violetten Zug zu machen. Aber es gelingt. Halbwegs. Hätte ich noch ein paar wenige Minuten gewartet…

Ich stehe rechts im Bild vor dem Haupteingang des Bahnhofs von Saigon und mache ein "Peace"-Handzeichen Richtung Kamera. Oben der Schriftzug "Ga Sai Gon" auf dem Dach des Gebäudes. Mittig stehen wartende Taxis und Fahrer. Rechts und links ragen Palmen ins Bild.
Ziel einer langen Reise: Ankunft in Saigon bzw. Ho-Chi-Minh-Stadt.

… denn als ich vor dem Bahnhof stehe, wird es dann auch schon bald hell. Sonnenaufgang im Fernen Osten. Wie sich das gehört. Eine schöne Begrüßung zum großen Finish. Und eine tolle Begrüßung in der größten Stadt Vietnams: Ho-Chi-Minh City alias Saigon. Ich bin glücklich – und aufgeregt zugleich. Denn ich bin zwar am Ziel meiner Reise, aber meine Reise ist noch lange nicht zu Ende.🚆

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Highlight Ho-Chi-Minh City/ Saigon

Zwischen Wiederverinigungspalast, Central Post Office und Rathaus

Nicht ganz leicht, das eine Highlight in Saigon zu definieren. Zu dem Saigon-Erlebnis gehören ja vor allem Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung, wie zum Mekong Delta oder dem Cu Chi Tunnel-Museum. Die absoluten Must-Sees innerhalb Saigons liegen rund um die nördliche Dong Khoi Street (Đồng Khởi): Die Notre-Dame Kathedrale, das Central Post Office, der Wiedervereinigungspalast (Dinh Độc Lập) und nicht zuletzt das imposanten Rathaus (People´s Committee), dessen lässig-pompöser Kolonialstil (Baujahr 1908) bereits von Weitem erglänzt. Davor begrüßt eine Statue Ho Chi Minhs die Besucher:innen der Stadt. In dieser Gegend gibt es auch nette Cafés zum Entspannen. Trotz all der Hektik nehme ich Saigon insgesamt sehr entspannt wahr. Und zugleich gibt es viel zu erleben.

Straßenszene in Saigon. Links am Straßenrand eine Frau mit Bambus-Hut, die von einem kleinen Wagen aus Bananen verkauft. Davor auf der Straße viele Motorräder. Alle Fahrer tragen Helm.
Die vietnamesische Straßenverkehrsordnung setzt andere Akzente als ihr deutsches Pendant.

Fazit und Tipps für Vietnam

Die Zugreise durch Vietnam ist für mich ein einzigartiges Erlebnis. Ich habe auf dem Weg dorthin einige Länder durchreist, und jedes Land, jede Zugstrecke hatte seinen eigenen Reiz. Vietnamesische Nachtzüge sind quirlig und komfortabel zugleich. Es geht zwischen den Metropolen Hanoi und Saigon im Wiedervereinigungsexpress durch fantastische Landschaften, mit dem Hai-Van-Pass als großes Highlight. Ich liebe Zugreisen auch deshalb, weil sie mich näher an Land und Leute bringen. In Vietnam habe ich ganz besonders das Gefühl, das Land auf den Gleisen intimer kennenzulernen. Hier freue ich mich daher umso mehr auf meine nächste Reise.

Tickets, Fahrpläne und Fahrtzeiten der Züge

Zugtickets buchen in Vietnam

In Vietnam können Zugtickets ab 60 Tage vor Abfahrt gebucht werden:

  • Option 1: Online-Buchung auf einem der einschlägigen Internetportale mit elektronischem Ticket per E-Mail
  • Option 2: Direkter Kauf am Schalter im Bahnhof
  • Option 3: Buchung in der Unterkunft (Hostel/Hotel): viele Unterkünfte haben nebenbei einen Reiseschalter und vermitteln günstig und zuverlässig Zugtickets und Bahnhoftransfers für den nächsten Streckenabschnitt – hiermit habe ich gute Erfahrungen (2016) gemacht!
  • Ticket von Nanning nach Hanoi: Das internationale Zugticket von China nach Vietnam buchst du am besten mindestens 6 Tage im Voraus online bei einer chinesischen Reiseagentur wie z.B. travelchinaguide.com. Das Ticket kannst du dir auch gegen Gebühr (~5 Euro) direkt zum Hotel/Hostel in China liefern lassen.

Fahrpläne von ausgewählten Zügen in Vietnam

Züge und Fahrtzeiten auf den vier Etappen aus diesem Artikel.

Herumkommen in Vietnam

In den Städten Vietnams ist es immer eine günstige Option, über längere Distanzen mit dem Taxi von A nach B zu kommen. Selbst aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen – z.B. mit einem gemieteten Roller – erfordert schon eine gewisse Portion Selbstbewusstsein, oder Vorerfahrung. Besonders in Hanoi und Ho-Chi-Minh City.

Taxi fahren in Vietnam

  • Taxis kann man eigentlich überall heranwinken – Taxistände finden sich u.a. vor Hotels – oder einfach eins rufen
    • Stell sicher, dass es sich um ein seriöses Taxi-Unternehmen handelt:
      1. Das Auto hat einen Leuchtkasten, auf dem „TAXI“ oder eine Nummer steht.
      2. Firmenname, Telefonnummer und das Logo sind auf beiden Seiten des Autos sichtbar.
      3. Im Auto gibt es eine Preistabelle und ein funktionierendes Taxameter mit Quittungsdrucker
      4. Der Taxifahrer hat eine Namenskarte
    • um Gaunereien zu vermeiden, immer auf die Verwendung des Taxameters bestehen!
Vietnamesisches Taxi des Unternehmens "Vinasun" in Ho-Chi-Minh-Stadt auf einer Hauptverkehrsstraße. Im Hintergrund ein beiges Gebäude.
Seriöse Taxis sind relativ leicht an der umfangreichen Beschriftung samt Logo und Rufnummer zu erkennen. Hier in Ho-Chi-Minh City.

Unterkünfte in Vietnam

  • Unterkünfte in Vietnam lassen sich unkompliziert über die großen Buchungsportale buchen
  • Die Preise sind generell günstig. Selbst sehr exklusive Unterkünfte sind mit weniger als 100 € pro Nacht zu bekommen
  • Hostels sind häufig – wie üblich in Südostasien – auf jüngere, tendenziell Party-freudige Gäste ausgerichtet
    • wenn du es eher ruhiger magst, solltest du immer die Bewertungen der Hostels lesen
  • Ich empfehle persönlich die Unterkunft in Homestays: Kleine private Gasthäuser zu niedrigen Preisen mit heimeliger Atmosphäre
  • ⚠️Du befindest dich in den Tropen: Sei darauf eingestellt, dass auch mal große Insekten und Spinnen (oder Geckos) deine Gesellschaft suchen
    • „Ungeziefer“ im Zimmer sind hier nicht mangelnder Sauberkeit geschuldet, sondern dem Wetter/Klima
    • bei mir waren es immer nur Einzelgänger, die sich verirrt haben, keine Scharen
    • und: Geckos sind deine Freunde! 🦎
Koloniales, gelbes, dreistöckiges Gebäude an einer Straße in Dong Hoi. Im Vordergrund eine Terrasse mit Regenschirm. Aufschrift auf Holz im Western-Stil "Hostel Buffalo Pub".
In manchen Hostels geht es auch mal etwas ruhiger zu: hier in Dong Hoi.

Touren Buchen in Vietnam

  • Tagestouren in der Unterkunft buchen: Dies ist meist die einfachste Variante für geführte Touren in die Umgebung. Du wirst morgens am Hostel/Hotel abgeholt und rundum betreut. Auch bei Touren mit Übernachtungen. Gute Erfahrungen habe ich damit unter anderem in DongHoi 🠆 Phong Nha-Kẻ Bàng oder in Saigon 🠆 Mekong Delta gemacht.
  • Tagestouren im örtlichen Reisebüro buchen: Diese Option ist besonders interessant, wenn die Unterkunft kein entsprechendes Angebot hat. In den touristischen Städten gibt es zahlreiche Reisebüros. Ich habe z. B. in Da Lat (nicht in diesem Artikel) eine abenteuerliche Abseiling-Tour durch den Dschungel auf diese Weise gebucht. Kann ich auch empfehlen.
  • Kostenfreie Stadtführungen (Tipp!) von neugierigen Locals, die auf diese Weise ihr Englisch trainieren wollen.
  • Easy Rider sind Motorradfahrer, die abenteuerlustigen Touristen das Land auf Überlandtouren näher bringen. Inklusive Übernachtungen bei Familien. Diese Variante ist sehr beliebt bei Backpacker, habe ich selbst aber noch keine Erfahrung mit gemacht.

Weitere Quellen


Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Reisen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

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