Chengdu Panda Base. Pandabär sitzt auf einer Astgabel.

Mehr als 7 Sehenswürdigkeiten CHENGDU | Panda Base & Leshan Buddha

1 – Warum nach Chengdu reisen?

Chengdu (成都) ist die Hauptstadt der Provinz Sichuan im Westen von China und für Rucksackreisende ein zentraler Anlaufpunkt, um Bustouren in die tibetische Hochebene zu unternehmen.

Daneben gibt es hier die Gelegenheit, Große Pandas aus nächster Nähe beim Bambus-Knabbern zu beobachten oder einen Abstecher zum weltweit größten Felsbild eines Buddhas nach Leshan zu machen.

Aber auch die Stadt Chengdu selbst hat einiges an Kultur, Geschichte und vor allem feurigem Essen zu bieten. An spannenden Aktivitäten mangelt es hier nicht. Aber ganz easy!

Denn viele China-Backpacker sind nämlich begeistert von dem besonders entspannten Flair Chengdus.

Trotz des anstrengenden Klimas und des meist vernebelten Himmels kommt auch bei mir sehr schnell ein heimeliges Gefühl auf, als ich mich im Sommer 2016 für ein paar Tage auf eine spannende Entdeckungstour begebe.

Bronze-Statue eines Tai Chi-Praktizierenden am Flussufer in Chengdu.
Eine Bronzestatue regt zur Entschleunigung an.

2 – Anreise | Mit dem Zug nach Chengdu

Als zentraler Kontenpunkt in West-China ist Chengdu bequem und in hoher Frequenz mit dem Zug aus den unterschiedlichen Landesteilen erreichbar.

Anreise Peking – Chengdu

Von den Bahnhöfen Beijing West und Beijing Fengtai fahren täglich mehrere Schnellzüge (CRH) vom G-Typ, die nach 7 ½ bis 9 ¾ Stunden in Chengdu am Bahnhof Chengdu East ankommen.

Es besteht auch die Möglichkeit, ganz gemütlich im langsamen Nachtzug (K-Typ) innerhalb von 21 bis 35 Stunden von Peking aus anzureisen. Diese Züge starten teilweise am Bahnhof Beijing Railway Station und kommenam Bahnhof Chengdu West an.

Die Nachtzug-Variante kostet im Großraum-Schlafabteil (Hard Sleeper) auch nur gut die Hälfte (ca. 60 €) im Vergleich zur Reise im Schnellzug in der 2. Klasse (ca. 110 €). » Und der Nachtzug ist für mich auch die komfortablere Variante.

Anreise Shanghai – Chengdu

Von Shanghai aus dauert die Reise im Hochgeschwindigkeitszug etwas länger als von Peking aus.

Die schnellsten Verbindungen (G-Typ) führen vom Bahnhof Shanghai Hongqiao zum Bahnhof Chengdu East und sind zwischen 11 und 13 Stunden unterwegs.
Es gibt auch mehrere tägliche Verbindungen im Schnellzug des D-Typs, die eine Fahrzeit von 14 bis 16 Stunden haben – einige davon starten am Bahnhof Shanghai Railway Station.

Zudem fahren klassiche Nachtzüge in 30 bis 35 Stunden von Shanhgai zur Endstation Chengdu West. Auch auf dieser Route sind die langsamen Züge deutlich günstiger, mit einem Ticketpreis von ca. 64 € für einen Liegeplatz im Hard Sleeper.

Anreise Xi’an – Chengdu

Bei meiner Reise im Jahr 2016 hatte ich zwischen Shanghai und Chengdu einen Zwischenhalt in ➟Xi’an, und bin von dort aus im Nachtzug angereist.

Mittlerweile fahren täglich auch zahlreiche Schnellzüge vom Bahnhof Xi’an North nach Chengdu East, mit einer Fahrtzeit von 3 ½ – 4 ½ Stunden.

»Für die Anreise von Xi’an ist die schnellere Variante auch die bequemere.

Außenansicht eines klassischen grünen chinesischen Zugs.
Chinesischer Nachtzug.

Meine Anreise im Nachtzug – Wer ist dieser „Kaffee“?

Bei meiner Anreise nach Chengdu mit dem Nachtzug teile ich mir ein 4er-Schlafabteil (Soft Sleeper) mit einer jungen Familie, deren Vater die ganze Nacht in einem flotten Schnarch-Rhythmus versinkt. Ohne meine Ohrstöpsel hätte ich keine Chance, mich selbst einem tiefen und erholsamen Schlaf hinzugeben.

Am frühen Morgen gehe ich dann einigermaßen fit in den Speisewagen, um mir meine notwendige Koffein-Dosis zu gönnen. Es ist wohlgemerkt meine erste Fahrt im chinesischen Nachtzug – Jungfernfahrt, wenn man so will.

Dort stelle ich fest, dass Kaffee in China – außerhalb der großen Städte – eher ein Randkonzept ist.

Ȇblicherweise wird Tee getrunken.

Ganz überraschend ist das natürlich nicht. Als ich im Speisewagen also doch nach einem Kaffee frage, dauert es eine Weile, bis die Bedienung versteht, was ich meine.

»Sprachbarriere.

Berglandschaft im Sichuan-Becken. Fotografiert aus dem Zugfenster,
Schnappschuss aus dem Zugfenster kurz vor Ankunft in Chengdu.

Der Zug wird nicht gerade von vielen ausländischen Touristen genutzt. Da ich noch keine Übersetzer-App habe, kommunizieren wir noch auf traditionelle Weise per Körpersprache und einer Mischung aus Chinesisch und Englisch (Chinenglisch).

»Das funktioniert meistens auch ganz gut.

Diesmal scheinbar auch irgendwann – allerdings kann ich nicht wirklich identifizieren, woraus der gereichte „Kaffee“ hergestellt wurde.

Es ist eine warme, braune Flüssigkeit, die eher nach Getreide schmeckt. Nun gut. Fortan bleibe ich lieber beim grünen Tee, es sei denn, es wird ausdrücklich Kaffee angeboten.

Im fast leeren Speisewagen eines chinesischen Nachtzugs. Kellnerin im Hintergrund
Speisewagen im Zug Nr. K195 von Xi’an nach Chengdu (2016).

Ankunft in Chengdu – Erste Eindrücke

Wie immer ist auch in Chengdu das Ankommen einer der schönsten Momente des gesamten Aufenthalts. Die ersten Eindrücke beim Einfahren des Zuges, auf dem Weg zum Hostel und beim ersten Spaziergang nach dem Einchecken sind unvergesslich. Der Klang der Stadt, typische Gerüche und natürlich die Menschen und ihre Kultur tragen vor allem dazu bei.

Nach einer knapp 14-stündigen Fahrt mit dem Nachtzug erreichte ich im Juni 2016 den Ostbahnhof (East Railway Station, 成都东) in Chengdu. Dieser galt damals als der jüngste und modernste Fernbahnhof der Stadt.

Mit der U-Bahn-Linie 2 gelange ich zügig zur Chunxi Road, wo ich dann eine Station in Linie 3 weiterfahre und schnell die Xinnanmen Station erreiche – den belebten touristischen Knotenpunkt von Chengdu.

3 – Mein Quartier am Fluss Jin Jiang
»Ankunft in Chengdu

Chengdu liegt geografisch in einer Senke inmitten des Sichuan-Beckens, das an das mächtige Hochland Tibets grenzt. Daher ist es ist hier besonders jetzt im Sommer nebelig, schwül und warm. Für eine kleinere Tagestour reicht meine Fitness aber noch aus.

Durch die Stadt fließt der Fluss Jin Jiang (锦江), an dessen Ufer ich mich hier befinde. Dieser Fluss wird auf der Karte auch teilweise als Fu He (府河) bzw. Nan He (南河) bezeichnet und fließt hier im Süden des Stadtkerns zusammen. Entlang des Flusses gibt es eine lange Promenade, die viel Platz für die tägliche Naherholung bietet.

Auch die touristische Infrastruktur der Stadt konzentriert sich größtenteils hier. Es gibt Backpacker Hostels, Hotels, Ausgehmeilen mit Bars, Live-Musik und vollen Restaurants …

Blick auf den Jin JIang Fluss in Chengdu.
Der Fluss Jin Jiang vereint die beiden Flüsse Fu He  (府河) und Nan He (南河).

China im EM-Fieber (?)

Im Sommer 2016 läuft die Fußball-EM der Herren. Auch in China richtet sich eine gewisse Aufmerksamkeit auf den Event. Jedenfalls glaube ich das zunächst – auch basierend auf Erfahrungen aus Hostels anderer Städte.

»Wie ist es in Chengdu?

Ein Stück weiter südlich entlang des Flussufers reihen sich tatsächlich zahlreiche Kneipen und Restaurants aneinander, viele davon geschmückt mit Fahnen der teilnehmenden Länder. Als ich eines Abends durch die Gassen schlendere, werfe ich einen Blick in die Bars. Dort läuft hauptsächlich Leichtathletik.

Deutschlandfahne an einer Bar an einer Straße in Chengdu.
Fan-Unterstützung für das deutsche Team bei der EM 2016.

Vor allem junge Leute verbringen hier ihre Abende und Nächte, nicht nur Backpacker, sondern auch vor allem Studierende.

Ich finde auch eine weniger trendige Terrassenkneipe am anderen (Nord-) Ufer des Flusses, wo noch spät in der Nacht Fußball läuft.

Da China 6 Stunden vor der mitteleuropäischen Zeit liegt, kann man dort auch zu später Stunde noch Spiele schauen.

Die Kneipe wird hauptsächlich von älteren Herren besucht, die mir gerne bei meiner Bestellung und darüber hinaus helfen. Ich gebe zu verstehen, dass ich gerne ein Bier trinken möchte. Also eins. Erstmal.

In China ist es üblich, direkt die Menge an Bieren zu bestellen, die man für den gesamten Abend plant. Also bekomme ich gleich drei Flaschen Tuborg an meinen Platz gebracht, jeweils etwa einen halben Liter.

Da ich nicht vorhabe, mich hart zu betrinken, bin ich froh, dass es sich um ein leichtes Bier mit einem Alkoholgehalt von unter 4 % handelt.

Peitschen-Kreisel

Bei meinem nicht allzu verkaterten Morgenspaziergang am Fluss nehme ich neben dem Geräusch des Straßenverkehrs noch einen anderen Klang wahr: ein wiederholtes Knallen.

Etwa alle 5 Sekunden höre ich etwas Ähnliches wie gnadenlose Peitschenhiebe.

Es sind tatsächlich Peitschenhiebe, jedoch auf einen leblosen und wenig empfindsamen Körper.

Beim Spiel mit dem Peitschen-Kreisel schlägt der Spieler rhythmisch auf einen Metallkreisel ein, sodass das Um- und Entwinden der Peitschenschnur um den Kreisel diesen in Bewegung hält.

Ein Mann in weißem Unterhemd spielt das Peitschen-Kreisel-Spiel auf einem Platz in Chengdu.
Ein beliebtes Spiel in chinesischen Parks: der Peitschen-Kreisel

Dieses jahrtausendealte Spiel erfreut sich in China auch heute noch in den Parks und auf den Plätzen großer Beliebtheit, insbesondere bei älteren Männern.

Ich frage mich, ob die Lautstärke dieser körperlichen (und konzentrativen) Übung regelmäßig zu Beschwerden wegen Lärmbelästigung in deutschen Nachbarschaften führen würde.

Ich überlege mir eine Antwort und genieße die innere Ruhe, die das Beobachten dieser rhythmischen Aktivität mir schenkt.

4 – Die Anshun Brücke

Die Hauptattraktion und das beliebteste Fotomotiv am Flussufer ist die Anshun-Brücke, die sich etwa 20 Minuten südlich des Xinnanmen Busbahnhofs von Chengdu befindet.

Die heutige Brücke wurde im Jahr 2002 neu erbaut, aber es wird berichtet, dass ➟Marco Polo bereits im 13. Jahrhundert eine Vorgängerin dieser Brücke in seinem Werk erwähnt hat.

Zu Ehren des legendären China-Reisenden gibt es dort auch eine Steintafel.

Die Anshun-Brücke in Chengdu spiegelt sich im Fluss. Im Hintergrund Hochhäuser.
Die Anshun Brücke bei Tageslicht.

Eine weitere Tafel besagt, dass die Stadt während der Qing-Dynastie im Jahr 1746 eine hölzerne Version des Originals wieder aufgebaut hat. Das genaue Errichtungsdatum des Erstlings ist offenbar unbekannt. Die klassisch-moderne Erscheinung schmückt vor allem das sonst von funktionalen Hochhäusern geprägte Stadtbild Chengdus. Besonders bei Nacht, wenn die Brücke geschmackvoll beleuchtet ist…

Zwei Frauen laufen über die Anshun Brücke in Chengdu. Eine Frau trägt einen rosa Regenschirm. Das steinerne Brückengeländer trägt kleine ornamentierte, runde Säulen.
Spaziergang über die Anshun-Brücke.

Von der Brücke selbst kannst du einen guten Ausblick auf den Flusslauf und die lebendige Umgebung erhaschen. Die traditionellen Musterungen an den Geländern und Dachkonstruktionen sind hier natürlich aus nächster Nähe zu bewundern.

Ein kleines Stück Tempel-Flair beim Überqueren des Jin-Flusses – und ein Stück Kultur zwischen Peitschen und Kneipen.

Beleuchtete Anshun Brücke bei Nacht. Das Licht spiegelt sich verschwommen im Wasser.
Anshun-Brücke bei Nacht.

5 – Volkspark Chengdu

Freizeitleben im Lichte der Revolution

Ein wahrer Schmelztiegel chinesischer Alltagskultur ist der Volkspark von Chengdu (People’s Park, 人民公园), der im letzten Jahr der Qing-Dynastie, 1911 als Shaocheng Park (少城公园) gegründet wurde und 1950 von der kommunistischen Regierung Chinas seinen heutigen Namen erhielt.

Ich lande hier zugegebenermaßen eher zufällig und habe offenbar auch etwas Glück, direkt mit filigraner gesanglicher Performance empfangen zu werden. Zunächst aber spiegelt sich hier ein Teil der Geschichte Chinas bzw. auch der Provinz Sichuan wider.

Das Monument der Märtyrer der Eisenbahnschutzbewegung im Volkspark von Chengdu ragt zwischen den grünen Büschen und Bäumen hervor. Im Vordergrund ein kleiner Teich mit Schilf-Bepflanzung.
Das Monument gedenkt der
Märtyrer der Eisenbahnschutzbewegung (辛亥秋保路死事纪念碑) von 1911.

Nahe dem Westtor des Parks sticht ein spitz zulaufendes Monument mit kupferfarbenem Haupt prominent hervor: Dieses Denkmal erinnert an die Opfer der Eisenbahnschutzbewegung des Jahres 1911, ein Aufbegehren gegen die Politik der Qing und damit ein wesentlicher Vorläufer der Xinhai-Revolution, welche das Ende des chinesischen Kaiserreichs besiegelte.

Jacken für die Sichuan Clique

Am anderen Ende des Parks, in der Nähe des Osttors, wird ein weiteres wichtiges Ereignis der jüngeren Geschichte Chinas gewürdigt: der Widerstandskrieg gegen die japanischen Besatzer während des Zweiten Weltkrieges. In dieser turbulenten Zeit gab es in der Provinz Sichuan eine Gruppe von fünf Kriegsherren mit ihren Armeen, bekannt als die Sichuan Clique.

Denkmal für die Märtyrer der Sichuan-Armee im Widerstandskrieg gegen Japan.
Denkmal für die Märtyrer der Sichuan-Armee im
Widerstandskrieg gegen Japan.

Ihre opferreiche Beteiligung am Krieg wird hier durch eine entsprechende Statue geehrt. Zudem schmücken weitere Bronze-Statuen mit militärisch-heldenhaftem Bezug den Park.

Einige Einheimische nutzen sie pragmatisch als Haken für Jacken und Einkaufstüten. So haben diese Helden neben ihrer Erinnerung auch noch eine zeitgemäße Funktion, um dem Wohl des Volkes zu dienen.

Bronzeskulptur einer Soldatin mit Gewehr am Rücken. Handtasche am Hals und Jutebeutel am rechten Arm.
Ehrwürdiger Kleiderhaken im Volkspark.

Xiangqi – Chinesisches Schach

Ein besonderer Teil des Alltags in China, den ich besonders liebe, ist das Zusammenkommen vieler Menschen im Freien, um gemeinsam ihre Freizeit zu gestalten.

Es wird zusammen getanzt, gesungen und gespielt – sei es in Parks, auf städtischen Plätzen oder an Flussufern. Das Gleiche gilt auch für den People’s Park.

Dort wird unter anderem Xiangqi (象棋), das „chinesischen Schachspiel“ gespielt.

Männer im Volkspark von Chengdu spielen konzentriert Xiangqi, das chinesische Schachspiel. Einer der Männer hat eine Zigarette im Mund und bewegt einen Spielstein.
Xiangqi ( 象棋) – Chinesisches Schach im People´s Park von Chengdu.

Leider fällt es mir vor Ort schwer, dem Spiel zu folgen, da die Spielsteine mit Schriftzeichen markiert sind und nicht wie bei der im Westen bekannten Schach-Variante als Figuren gestaltet sind.

Dennoch ist es ausdrücklich erwünscht, zuzuschauen, und so werde ich auch herbeigewunken, um zumindest die Atmosphäre während des geistigen Duells zweier Männer zu erleben.

Höchste Konzentration und Pokerfaces. Die kann ich mitunterauch in den Gesichetern der zahlreichen Zuschauer:innen der Szenerie sehen.

Eine anspruchsvolle Form des Müßiggangs, wenn man es so nennen darf. Eigentlich nicht.

»Es ist gelebte Alltagskultur, ein entschleunigender Lifestyle, einfach bei Verstand bleiben…

Dishu – Gedanken in Wasser

Im Park darf ich zudem eine besondere Form der bildenden Kunst erleben – Dishu (地书): Die Straßen-Kalligrafie ist so etwas wie eine traditionsbewusste Variante der chinesischen Streetart und dabei äußerst umweltfreundlich.

Ein Dishu-Künstler zeichnet mit einem großen Pinsel und Wasser chinesische Schriftzeichen auf den Betonboden. Ein Mann sieht ihm zu.
Dishu – Künstler am Werk – mit einem weiteren Bewunderer.

Mit einem dichten, spitzen Pinsel wird Wasser auf den Beton aufgetragen und es entstehen chinesische Schriftzeichen Poesie, konfuzianische Zitate… Bedauerlicherweise kann ich sie nicht entziffern und habe auch nicht viel Zeit dafür. Denn das Wasser verdunstet früher oder später – und mit ihm verschwindet auch die volatile Kunst.

Straßen Kalligrafie in Chengdu. Dishu-Pinsel und Wasserzeichen.
Die Wasserzeichen sind bis zu ihrer Verdunstung sichtbar.

Patriotische Performance

»In Chinas Parks wird viel gesungen.

Auch in Chengdu sehe und höre ich Menschen mit Karaoke-Anlagen am Ufer des Jin Jiang. Im Volkspark jedoch erlebe ich eine regelrechte Performance mit Gesang und Tanz.

Frauen und Männer in Uniform singen stolz, während Tänzerinnen den Vortrag in bunten Kostümen begleiten. Manchmal wird die Parteiflagge geschwungen und Fäuste werden geballt. Stolz und Freude werden gleichermaßen schwungvoll zum Ausdruck gebracht.

Sängerin und Sänger singen mit geballter Faust im Volkspark von Chengdu. Dahinter ein Mann, der die Fahne der kommunistischen Partei schwenkt.
Mit Leidenschaft und Parteifahne wird gesungen.

Nach jedem Lied kommen Fans aus dem Publikum zu den Künstler:innen und überreichen ihnen Sträuße bunter Plastik-Blumen. Diese werden in Eimern zu Füßen der talentierten Barden gesammelt.

Ich frage mich, woher die Fans all diese Blumen haben. In Vorfreude auf die Show selbst mitgebracht? Es scheint, als gäbe es einen Fundus an bunten Bouquets, aus dem sich die Leute bedienen können.

Ein Zuschauer bringt Sängern zwei Sträuße bunter Plastikblumen.
Blumen-Bouquet zur Wertschätzung.

Inwieweit das Ganze möglicherweise einem Kreislauf-Schema folgt, kann ich nicht wirklich sehen und einschätzen. Allenfalls kann ich es erahnen.
Auf jeden Fall genießt man sowohl die Performance als auch die bunte Wertschätzung gleichermaßen mit Freude.

Den Grund der Veranstaltung kenne ich nicht. Möglicherweise eine Einstimmung auf den 95. Jahrestag der Parteigründung (gefeiert am 1. Juli 2016). Ein großes Event in China!

Volkstanz im Park

Ja, und während meiner Tour durch den Chengdu Volkspark freue ich mich natürlich auch darüber, dass das Volk tanzt.Paartanz ist angesagt. Ich liebe es, einfach nur dazusitzen und zuzusehen.
Diese sozialen Tänze strahlen eine besondere Leichtigkeit aus, ohne dass ein spezieller Anlass erforderlich ist.

Menschen beim Paartanz im Volksgarten von Chengdu.
Im Volkspark von Chengdu wird zum Tanz gebeten.

Die Menschen kommen zusammen, ob mit oder ohne Partner:in.
Die Musik mag manchmal Geschmackssache sein, die Stimmung ist immer entspannt.


6 – Wuhou Tempel und Jinli Street

Reise in die Zeit der Drei Reiche

In Chengdu gibt es einige Tempel, die sicher alle einen Besuch wert sind. Ich persönlich entscheide mich für den Wuhou-Tempel (武侯祠), der dem Markgrafen Zhuge Liang (诸葛亮) und Kaiser Liu Bei (刘备) des Staates Shu Han (蜀汉) gewidmet ist.

Dieser Besuch führt mich sehr weit zurück in die Geschichte des Landes China. Shu Han war eines der drei Königreiche während der kurzen, danach benannten Ära zwischen 220 und 280 n. Chr.

Eingang zum Wuhou Tempel in Chengdu. Kleine Allee mit grünen Bäumen. Am Ende Pavillon mit goldener Statue.

Diese Epoche entstand durch den Zusammenbruch der bedeutenden kaiserlichen Han-Dynastie, für deren rechtmäßigen Nachfolger sich der Fürst von Shu Han hielt.
Die Han-Dynastie ist noch heute legendär für ihre progressive Bildungspolitik, sowie für ihre kulturellen und technologischen Errungenschaften. Ein Vermächtnis, das man natürlich gerne für sich in Anspruch nimmt.

»Übrigens besteht kein Zusammenhang zwischen dem Wuhou Tempel und dem noch altertümlicheren Staat Shu, der bereits Jahrhunderte vor Christus im Sichuan-Becken existierte.

Kleine Oase in der City

Der Wuhou-Tempel liegt südöstlich des Stadtzentrums von Chengdu, und ist mit einem Spaziergang entlang des Flusses fußläufig gut zu erreichen.

Vom Xinnanmen aus benötige ich etwa 40 Minuten, und auch der Fußweg lohnt sich auf jeden Fall. Der Tempel ist hauptsächlich ein ruhiger Kulturpark mit traditioneller chinesischer Gartenarchitektur, Pavillons und Hallen – und natürlich auch Geschichte. In den Tempeln und Hallen sind Statuen und Bilder der Staatsmänner der Shu Han ausgestellt. Außerdem gibt es dort traditionelles hölzernes Mobiliar und Kalligrafie zu bestaunen.

Goldene Statue von Liu Bei im Wuhou Tempel von Chengdu.
Statue von Liu Bei (刘备) – Gründer und Kaiser des Staates Shu Han.

Bei meinem Besuch ist nicht besonders viel los, daher gibt es wenig Gedränge bei den Statuen und anderen Sehenswürdigkeiten. Außerdem finde ich leicht einen Platz, um mich hinzusetzen und mich von dem heißen und feuchten Wetter zu erholen.

Kleiner Bach mit grüner Bepflanzung und Mini-Wasserfall.
Ein ruhiger Tag im Wuhou Tempel.

Neben den scharfen Speisen stellt das „schwere“ Klima eine große körperliche Herausforderung für Besucher:innen aus gemäßigten Klimazonen dar. Daher empfinde ich einen Besuch in einer kleinen Oase wie dieser mitten in der Metropole als sehr erfrischend.

Jinli Ancient Street

Im Osten des Parks befindet sich eine der touristischen Straßen für traditionelles Handwerk und Streetfood, wie sie typisch sind für China. Die Jinli Ancient Street (锦里古街) lockt mit liebevoll gestalteten Altstadt-Fassaden – gespickt mit hölzernen Elementen, roten Lampions und eben vielen Menschen.

»Ein ähnliches Konzept übrigens wie im Yu Garden Bazaar in ➟Shanghai.

chengdu Jinli Street East Rail Stories
Jinli Ancient Street.

In Chengdu ist das kulinarische Angebot natürlich ganz besonders spektakulär.
Die legendäre Sichuan-Küche mit ihren scharfen Gewürzen und tiefgründigen Aromen betört die Sinne – ein Hauch von Chili und Sichuan-Pfeffer liegt in der Luft. Und für das kulinarische Auge füllen die heißen Schoten hier die großen weiß-blaue Porzellan-Schalen der Verkaufsstände.

Verkaufsstand von verschiedenen Gewürzen und Pasten in der Jinli Street in Chengdu. Die Verkäuferin bindet gerade eine Tüte zu.
Reichlich reich Gewürztes in der Jinli Street.

Die Jinli Street ist Chengdus antike Einkaufsmeile, die ihre Wurzeln im Königreich der Shu-Han Königreich findet und in der Qing-Dynastie einen Neuaufbau erlebte.
Zuletzt wurde die Jinli Street om Jahr 2004 restauriert und zeigt ihre altertümliche Pracht mitsamt der liebevoll rekonstrukierten Holzfassaden heute auf einer Länge von 350 Metern.

» Aus meiner Sicht eine der schönsten Chengdu Sehenswürdigkeiten. Aber eben auch sehr touristisch und entsprechend gut besucht.

Pilizist in der Jinli Street ermahnt einen Mann im Kostüm eines Außerirdischen.
Aufregung in der Jinli Street.
Ein Außerirdischer bewirbt das Storm Festival 2016.

7 – Der Tianfu-Platz

Nördlich des Flusses und etwas östlich des Volksparks liegt ein weiterer bedeutender Ort in der Stadt, der eine große Symbolkraft ausstrahlt. Die Geschichte von Sichuan reicht weit zurück und wird mit viel Stolz repräsentiert, unter anderem auf dem Tianfu-Platz (天府广场).

Blick auf den Tianfu-Platz von Chengdu mit dem Goldenen Sonnenvogel im Vordergrund. Dahinter Sichuan Science and Technology Museum und weiße Statue von Mao.
Zwei Epochen – ein Bild.
Goldener Sonnenvogel des antiken Staates Shu vs. Mao des Chinas des 19. Jh.

Bevor ich den Platz betreten kann, muss ich mich zunächst ausweisen. Die Polizeipräsenz ist dort sehr groß, aber die diensthabenden Polizisten sind sehr freundlich und erklären mir, dass sie meine Daten zu meinem eigenen Schutz aufnehmen. Das bereitet mir keine größeren Probleme, da ich ja ohnehin nicht anonym unterwegs bin.

Eine Frau läuft vor einem gepanzerten Polizeiwagen, der auf dem Tianfu-Platz in Chengdu steht. Im Hintergrund eine der beiden Fontänen-Säulen.
Die Sicherheit am Tianfu ist gewährleistet.

Auf den ersten Blick wirkt der Tianfu wie ein typischer zentraler städtischer Platz, umgeben von gläsernen Hochhäusern und mit einer weißen Statue Maos. Doch bei genauerem Hinsehen entdeckt man, dass der Platz doppelstöckig ist und eine besondere, historisch-schmuckvolle Ausgestaltung aufweist.

Fontänen-Säule auf dem Tianfu-Platz von Chengdu. Blick von der unteren Ebene des Platzes, hoch zu den umgebenden Wolkenkratzern.
Der Goldene Drachen.

In der Mitte befindet sich eine riesige Replik des Goldenen Sonnenvogels (Golden Sun Bird, 太阳神鸟金饰), ein Artefakt aus Goldfolie, das in der nahegelegenen Jinsha-Ausgrabungsstätte gefunden wurde.

Seit 2012 ziert es das Wappen Chengdus und symbolisiert die lange und stolze Geschichte der Stadt und Region, die bis ins Jahr 3000 vor Christus zurückreicht – in die Zeit des Staates Shu.

(Quelle: ➟travelchinaguide.com)

Die auffälligsten Skulpturen auf dem Tianfu-Platz sind jedoch zwei fontänenartige Säulen, die jeweils von einem goldenen Drachen umwunden sind. Diese flankieren rechts und links den zentralen Sonnenvogel und symbolisieren den Gelben Fluss bzw. den Jangtse.

Dieses einzigartige Ensemble stellt gemeinsam die Wiege der chinesischen Kultur dar. Aus der Fußgängerperspektive ist jedoch weniger leicht ersichtlich, dass dies alles in das Symbol des Yin und Yang eingebettet ist. Daher solltest du beim Besuch des Tianfu-Platzes auch auf den Boden schauen.

Die Museen am Tianfu-Platz

Neben den üblichen Einkaufsmöglichkeiten findest du am Tianfu-Platz auch das großartige Chengdu Museum. Und daneben auch noch einige weitere bedeutende Einrichtungen für die kulturelle Erquickung.

Das Chengdu Museum liegt an der Westseite des Tianfu-Platzes, in unmittelbarer Nachbarschaft zur Sichuan Provincial Library, dem Sichuan Art Museum, dem Sichuan Science and Technology Museum sowie dem Jincheng Art Palace.

Sichuan Art Museum. Ecke des modernen Gebäudes mit dreieckiger Fenster-Fassade.
Eins der vielen Museen am Tianfu-Platz – Sichuan Kust Museum.

Ein Besuch im Chengdu Museum empfehle ich dir unbedingt. Hier erfährst du praktisch alles über die Geschichte der Stadt und der Provinz Sichuan, inklusive vieler Informationstafeln in englischer Sprache.

8 – Chengdu Panda Aufzuchtstation

Als Highlight meines Aufenthalts in Chengdu steht schließlich die Kombi-Tour zur Panda Aufzuchtstation und dem Großen Buddha in Leshan an. Ich zögere zunächst, da die geführte Tour relativ teuer ist, und ich ja auch auf eigene Faust losziehen könnte. Man kann Leshan mit dem Zug in 45 Minuten erreichen und zur Panda-Station gelangt man per Metro und Bus.

Panda Base. Goldene Panda-Skulptur mit Panda-Mutter und Panda-Baby
Eingang zur Panda-Aufzuchtstation von Chengdu.

Allerdings habe ich nur einen Tag Zeit und die Tour ist effizient organisiert. Sie startet morgens um 7:30 Uhr. Alle Teilnehmer (insgesamt 6 Personen) werden in einem Minibus von ihren Hostels abgeholt und dann geht es direkt zu den Chengdu Pandas. »Die Fahrt zur Panda Base dauert etwa 1 Stunde.

Was ist die Chengdu Panda Base?

Der offizielle Name der gemeinnützigen Panda Aufzuchtstation lautet „Chengdu Research Base of Giant Panda Breeding“ (天成都大熊猫繁育研究基地). Hier befindet sich größte in Gefangenschaft gehaltene Brutpopulation des Riesenpandas – aktuell leben dort wohl 215 Tiere (letzter Stand: 2020).

Der Riesenpanda (GiantPanda, Ailuropoda melanolueca) ist uns allen als der flauschige, schwarz-weiß gescheckte Pandabär bekannt, der immerzu Bambus knabbert.

Großer Pandabär liegt auf dem Bauch und schaut nach oben.
Ein wenig Entspannung zwischen den Mahlzeiten.

»Das knuffige und durchweg sympathische Symboltier Chinas.

Obwohl er hauptsächlich in Sichuan und einigen angrenzenden Provinzen heimisch ist, gibt es derzeit wahrscheinlich nicht mehr als 2000 wild lebende Exemplare des Großen Pandas. Aufgrund äußerer Umstände benötigt der Riesenpanda einen besonderen Schutz und ziert daher seit jeher das Logo der Naturschutzorganisation WWF.

Insofern ist die Station natürlich kein rein unterhaltender Zoo, sondern ausdrücklich eine Einrichtung zur Aufzucht und Forschung.

Der touristische Aspekt dient vor allem der Unterstützung der Kernprojekte, zu denen auch die gehört.

Geführte Tour durch die Chengdu Panda Welt

Die geführte Tour durch die Chengdu Panda Base führt entlang eines Rundwegs, vorbei an den zahlreichen Außengehegen. Dort haben wir ausreichend Zeit, um die Bären beim Fressen, Knabbern, Klettern, bei einer entspannten Rückenmassage und beim Faulenzen zu beobachten.

»Große Pandas knuspern pro Tag mehr als 10 kg Bambus.

Ein Pandabär kratzt sich an den Holzpfosten im Gehege der Panda-Aufzuchtstation von Chengdu.
Entspannt am Zaun den Rücken kraulen.

Das kostet viel Zeit – bis zu zwei Drittel des Tages. Die Tiere müssen so viel davon futtern, da sie praktisch ausschließlich Bambus als Nahrung haben, Bambus, Bambus …

Reste von Bambus und Pandakot.
Grüne Panda-AA zwischen den Futterresten.

Und Bambus ist nicht so schrecklich reich an Nährstoffen. Diese einseitige Ernährung spiegelt sich auch im Farbton der entsprechenden Ausscheidungen wider. Ein dezentes Grün.

Fressender, Großer Panda mit Bambus in der Hand.
Veganer

Die Baby-Pandas

Wir dürfen auch einen kurzen Blick auf die verworfenen Mini-Riesenpandas werfen, die hier von Hand aufgezogen werden müssen. Hinter einer Scheibe sehen wir, wie die rosa Panda-Babys in Brutkästen von Pflegerinnen liebevoll versorgt werden.

Ich habe hier auch den Eindruck, dass trotz der touristischen Gestaltung hochprofessionelle Arbeit geleistet wird und der touristische Besuch der Station eine sinnvolle Unterstützung darstellt.

Pandaaufzucht – Ein Panda-Säugling in einem Brutkasten, in der Hand einer Pflegerin.
Panda-Babys werden in Brutkästen groß-gepflegt.

What? Es gibt Rote Pandas?

Und dann erfahre ich, dass ich erst nach China reisen musste, um zu lernen, dass Pandas eigentlich keine Pandas sind.

Genauer gesagt gibt es verschiedene Arten von Pandas, die nicht wirklich miteinander verwandt sind. Der bekannte Riesenpanda gehört zur Bärenfamilie und ist daher eigentlich ein Raubtier.

Und dann gibt es eben noch den Kleinen Panda (Ailurus fulgens), der in Chinas Bambuswäldern auch als Roter Panda bekannt ist. Auch er ernährt sich größtenteils von Bambus, ist aber kein Bär, sondern gehört zu der Familie der Katzenbären. Allerdings ist er auch das einzige noch lebende Mitglied der Katzenbärfamilie.

Rote Pandas futtern Kürbis-Stücke in der Panda-Aufzuchtstation von Chengdu.
Rote Pandas beim Genuss von lecker Kürbis-Schnitzeln.

In seiner Alltagsgestaltung scheint er jedoch viel mit den Riesenpandas gemeinsam zu haben. Sie teilen sich Lebensraum, Ernährungsstil, Bambus, Namen und offenbar sogar Aufzuchtstationen.

»Leider schwinden auch die Bestände des Kleinen Pandas durch Lebensraumverlust und Wilderei, und die Art ist international als gefährdet eingestuft.

Anreise und Eintritt

Eintritt

Übrigens …

Es wird bisweilen dazu geraten, die Pandas nach Möglichkeit nicht im Hochsommer zu besuchen. Im Sommer bleiben die Pandas wohl normalerweise drinnen, wo sie dank Klimaanlage cool bleiben. Die beste Zeit für den Besuch ist demnach der Zeitraum von September bis Juni.

9 – Der Große Buddha von Leshan

Tour vom Giant Panda zum Giant Buddha

Nachdem wir das Vergüngen mit den beiden Arten von Pandas voll ausgekostet haben, geht es auf der Tour weiter zur weltgrößten sitzenden Steinstatue eines Buddhas
Der steinerne Gigant, der auch Dafo genannt wird, wacht in seinem tempelartigen Felsthron über die Skyline der 3-Millionen-Metropole Leshan. Seit ca. 1200 Jahren richtet er seinen freundlich-konzentrierten Blick über das Zusammenfließen der Flüsse Minjiang (岷江), Dadu (大渡河) und Qingyi (青衣江) – eine einzigartige Melange ehemals gefährlicher Wasserwege in der Region von Leshan.

Leshan Buddha – der sitzende Buddha in Leshan, von vorne fotografiert. In roten Fels gemeißelt und mit Moos bewachsen.
Dafo – Der Große Buddha von Leshan

Der Buddha von Leshan ist nicht weniger als 71 Meter hoch und seine Finger, die auf den Knien aufliegen, sind ganze 8,3 Meter lang.
Wir betrachten den Giganten von einem Touristenboot aus, das direkt vor diese riesige Skulptur fährt, die metertief in den Lingyun-Berg eingemeißelt ist.

Roter Felsen mit eingemeißelten, buddhistischen Wächterfiguren. Treppen wie Ameisengänge im Fels für Touristinnen.
Aufstieg in Ameisengängen.

Übrigens hätten wir durchaus die Wahl zwischen der Bootstour und einer Besteigung des Buddha-Felsens. Also, entweder oder. Alle Teilnehmer:innen sind sich einig, denn die Besteigung kann bei großem Andrang sehr zeitaufwendig und nervenzehrend sein

Mir ist die Entscheidung ohnehin recht, da wir mit dem Boot nun direkt über die Fluss-Konfluenz fahren.

Touristenboot auf dem Dadu-Fluss in Leshan.
Touristenboote fahren hier in hoher Frequenz vor die Statue.

Zusammenflüsse faszinieren mich ja eigentlich immer. Meine Favoriten sind die Konfluenz von Save und Donau in Belgrad, die quasi den einstigen Übergang zwischen Okzident und Orient markiert, und das zweifarbige Verschmelzen von Oka und Wolga in ➟Nischni Nowgorod – mit seinen fantastischen Sonnenuntergängen.

Auch hier in Leshan scheinen sich zwei völlig gegensätzliche Ökosysteme, zumindest aber zwei völlig unterschiedlich nuancierte Gewässer zu vereinen. Vielleicht ist es der spirituelle Sog des Riesenbuddhas, der die Flüsse herführt…?

Was ist so toll an dem Zusammenfluss?

Die beiden Flüsse bieten auch ohne Unglück ein tolles Schauspiel. Denn der Dadu He ist der längste Zulauf des Min Jiang, der wiederum der wasserreichste Nebenfluss des mächtigen JangtseFlusses ist.
Diese Ausmaße sind für mich hier natürlich schwer zu erschließen.

Zusammenfluss von Dadu und Minjiang und Qingyi in Leshan vor der Kulisse des Lingyun-Bergs.

Doch faszinierend ist die klare Sichtbarkeit des Zusammenflusses unter den Augen des Großen Buddhas.
Der Dadu He scheint eine beträchtliche Menge an abgetragener Erde mit sich zu führen, während der Min Jiang etwas sauberer erscheint. Unser Tourguide weist auch auf industrielle Verschmutzungen des Dadu hin, was jedoch einige Bewohner:innen von Leshan nicht davon abhält, darin zu baden.

Konfluemnz von Dadu und Min in Leshan. Dunkelgrün und schokobraun.
Zusammenfluss der Flüsse
Min Jiang (grün) und Dadu He (braun).

Der Min Jiang scheint sich etwas schwerer zu tun, sich mit dem rustikalen Dadu He zu vermischen … über eine lange Strecke zeigt sich eine scharfe Flussgrenze, die jedoch langsam dem dominanten Braunton nachgibt.

10 – Meine Tipps für Chengdu

In der Hauptstadt der Provinz Sichuan gibt es viel zu entdecken, vor allem außerhalb des Stadtzentrums. Ich habe selbst noch lange nicht alles gesehen und freue mich bereits auf meine nächste Reise nach Chengdu.
Wenn du dich auf dem Weg nach West-Sichuan oder Yunnan befindest, solltest du mindestens zwei volle Tage, also drei Nächte für einen Aufenthalt einplanen.

Um den People´s Park (2 Stunden), Tianfu Square (1 Stunde) und den Wuhou Tempel (2 Stunden) in Ruhe zu besichtigen, benötigst du schon einen vollen Tag.
Ich empfehle dir auch unbedingt einen Besuch im Chengdu Museum am Tianfu Square, für das du dir 2-3 Stunden Zeit nehmen solltest.

Vom Fluss aus (und der Xinnanmen Station) kannst du alles bequem zu Fuß erreichen und unterwegs die Anshun-Brücke überqueren.

Für das Mittagessen wirst du sicherlich in der Jinli Street am Wuhou Tempel fündig.
Zum Abendessen gibt es besonders im südlichen Bereich des Jin Jiang Ufers einige Optionen.

Plane einen ganzen Tag ein, um eine Tour zu den Pandas und dem Leshan-Buddha zu machen.

I. Geführte Tour

In den Hostels werden oft Kombi-Touren angeboten, die relativ teuer sind (bis über 100 € p.P. für eine Gruppentour) und ein Mittagessen beinhalten.
Du kannst dir eine solche Tagestour auch online bei den bekannten Agenturen buchen.
Entweder als Kleingruppentour, oder als (sehr kostspielige) private Tour.

II. Auf eigene Faust

Du kannst jedoch beide Orte auch individuell auf eigene Faust besuchen.
Die Panda Base liegt nördlich der Innenstadt und ist mit der U-Bahn gut erreichbar.
Leshan liegt 130 km südlich von Chengdu und kann per Zug oder Fernbus erreicht werden.

»Dadurch sparst du wahrscheinlich Geld, aber keine Zeit.
»Dafür solltest du dir einen weiteren Tag einplanen, damit die Ausflüge nicht in Stress ausarten.

»Weiterfahrt nach West-Sichuan

Von der Xinnanmen Station fahren Busse in das Tibetische Hochland – unter anderem nach Kangding, von wo aus du weitere spannende Ziele ansteuer in West-Sichuan ansteuern kannst.

»Lies doch hierzu auch den Beitrag zu meiner ➟Tour mit dem Bus nach Litang.

11 – Weitere Sehenswürdigkeiten Chengdu

Auf meiner persönlichen Bucket List für Chendu steht mindestens noch der Besuch zweier Ausgrabungsstätten in der Region:

✔ Jinsha Site Museum
✔ Sanxingdui Museum

»Ich empfehle dazu die Beiträge im ➟Bamboo Blog: Sanxingdui und Jinsha

12 – Ressourcen für Chengdu

Karte der Chengdu Sehenswürdigkeiten

Karte Chengdu Metro

File:Chengdu Metro Network en.png
成都地铁网 – Chengdu-U-Bahn-Netz | Autor: Alan Fan Pei 2021-2023 | CC BY-SA 4.0 |
Linkwikimedia.org
Lizenzhttps://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/deed.en

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Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Reisen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

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