Marschrutka für Anfänger

Nach einer vergleichsweise kurzen, reinen Übernachtfahrt von Nowosibirsk im Zug ‚Jenissei‘ erreiche ich um 7:40h am Morgen die große Stadt am großen Fluss Jenissei. Krasnojarsk hatte ich als „Geheimtipp“ auf meiner Reiseroute markiert, nicht zuletzt – naja – insbesondere wegen des südlich an die Stadt angrenzenden Stolby (Столбы) Naturschutzgebietes in den nördlichen Ausläufern des südsibirischen Sajangebirges.

Im Sommer dürfte sich Krasnojarsk zudem als Ausgangspunkt für eine aufregende Bootsfahrt über den Jenissei lohnen. Dieser mächtige Fluss ist einer der längsten Russlands, und damit auch unseres Planeten. Genau genommen der fünftlängste – je nach Messparameter (d.h. Einbezug des rechten Quellflusses sowie des Zuflusses der Angara inklusive Selenga und Ider). Ich stelle bei der Recherche dessen ungeahnt fest, dass Geografie und Systematik von Flusssystemen hochinteressant sind. Zumal sich daraus auch die Kulturgeschichte der Region noch besser erschließt. Für die schnelle Einordnung ist es jedoch erstmal verwirrend, wenn es heißt, dass der Ob der längste Fluss Russlands sei, der Jenissei dagegen im Weltvergleich vor dem Ob liegt… Wie auch immer. Einigkeit scheint zu herrschen darüber, dass der Jenissei der wildeste seiner Art ist. Auch aus diesem Grund freue ich mich darauf, einmal für ein Bootsabenteuer zur richtigen Jahreszeit wiederzukommen.

Die Stadt Krasnojarsk (von Krasny Jar: „Schöner Abhang“) hat eine vergleichsweise weit zurückreichende Geschichte, wurde 1628 als Holzfort (Ostrog, острог) zur Verteidigung der Region gegen Einfälle aus Zentralasien gegründet und verlor ihre militärisch-strategische Bedeutung im 18. Jahrhundert schließlich wieder dank sich verändernder politischer Verhältnisse. Durch den Bau der Transsibirischen Eisenbahn und der Brücke über den Jenissei gewann die Stadt zum Ende des 19. Jahrhunderts erneut an Bedeutung und erlebte – nun nachhaltig und robust mit dem Westen des Zarenreiches verbunden – einen wirtschaftlichen Aufschwung.

Hauptbahnhof von Krasnojarsk. Das neue Gebäude wurde 2004 fertiggestellt.

Um zu meinem Hostel zu gelangen, steige ich zum ersten Mal in eine Marschrutka (маршрутка), ein Marschrouten- oder Sammeltaxi mit festgelegter Marschroute, jedoch flexibel gestaltbarem Haltestellen-Regime. Ich bin zunächst etwas verwirrt, da der Minibus noch ohne Kondukteur:in unterwegs ist und ich daher weder bezahlen noch mein Wunschziel ansagen kann. Beim ersten Halt steigt dann doch eine Dame ein, der ich meine 20 Rubel aushändigen darf, und der ich mein Ziel nenne. Nur leider funktioniert das so nicht. Die Kondukteurin interessiert sich kein Stück dafür – noch nicht. Um erfolgreich am gewünschten Ort aussteigen zu können, muss ich das lauthals zu verstehen geben, sobald man dort ist. Dazu sollte ich als orts- und sprachfremder Tourist nicht nur sehr aufmerksam sein, sondern eben auch das Selbstbewusstsein mitbringen, den Fahrer zu einer spontanen Bremsung samt Spurwechsel zu bewegen.

Als ich langsam davon überzeugt bin, dass wir schon an meinem Hostel vorbeigerauscht sind, mache ich mich bemerkbar und darf das Fahrzeug verlassen. Alles gutgegangen. Außer, dass ich beim Blick auf meine Maps App sehe, dass ich ein ordentliches Stück über das Ziel hinausgeschossen bin, und schließlich einen längeren Weg zu Fuß zurücklegen muss als vom Bahnhof aus. Aber gut, so habe ich die Gelegenheit, mir einen ersten, früh-morgendlichen Eindruck von der Stadt zu machen. Am Nordufer des Jenissei-Flusses wandel ich bei schöner Schmuddelwetter-Aussicht, teilweise auf einer Promenade, den mächtigen Strom entlang und erhasche die ersten Blicke auf das südlich der Stadt gelegenen Hügel des Stolby-Nationalparks.

Die Promenade selbst lockt mit einigen interessanten Verzierungen und Skulpturen – mitten in Sibirien darf natürlich die realitätsnahe Darstellung eines stattlichen Bären nicht fehlen. Für mich schaffen diese Werke zusammen mit der industriell-urbanen Architektur, der rohen Kulisse, der Menschenleere und dem morgendlichen Wolkenhimmel eine besondere, leicht melancholische Atmosphäre. Im besten Sinne.

Vernieselter Morgenblick über den Jenissei in Richtung des Stolby Naturschutzgebiets südlich der Stadt. Der Jenissei zählt zu den fünf längsten Flüssen der Erde.
Kommunale Brücke (Коммунальный мост) über den Jenissei, die legendärer weise auch auf dem 10-Rubel-Schein abgebildet ist.

Nach fast einer Stunde erreiche ich schließlich das Hostel. Von hier aus sehe ich auch wieder den Bahnhof – in fußläufiger Reichweite. Bis hierhin gefiel mir speziell der atmosphärische Blick auf die Brücken über den Jenissei. Die Stadt selbst – mit dem Blick fokussiert auf die Hauptstraße – wirkt so weit etwas trist und wenig belebt. Allerdings ist heute auch Ostern und 1. Mai zugleich; quasi ein Super-Feiertag, und der bewölkte Himmel gibt vermutlich den geringsten Anlass, Kirche oder Frühstückstisch zu verlassen.

Das Hostel Vozduh empfängt mich freundlich, und wie in Jekaterinburg erwartet mich hier nicht unbedingt der klassische Backpacker-Hotspot. Auch hier sind weitgehend Familien untergebracht – diesmal jedoch in zivil. Einrichtung und Ausstattung sind dagegen sehr selbstversogerisch-hostelich, und man kann sich nach dem Verzehr seines Dosenfutters gemütlich den zur Verfügung gestellten Gesellschaftsspielen hingeben. Ich verweile hier noch einige Zeit, um mich etwas auszuruhen – offenbar habe ich mir unterwegs eine Erkältung eingefangen. Am Nachmittag würde ich mich dennoch raus wagen, um mir anzusehen, was sich hier anlässlich des Tages der Arbeit so in den Straßen tut.

Gemütlicher Gemeinschaftsraum im Hostel Vozduh, in der Karl-Marx Straße. Russische Hostels sind noch „richtige Hostels“, mit Selbstversorgung, und mit überwiegend einheimischen Gästen.

Im Stadtzentrum – Nostalgie am „Tag der Arbeit“

Das Zentrum der Stadthälfte nördlich des Jenissei lässt sich weitgehend zu Fuß auf drei parallel verlaufenden Hauptstraßen mit prägnanten sowjet-esken Namen erschließen: die Ulitsa Karla Marksa (улица карла маркса, Karl Marx Straße), der Prospekt Mira (Проспект Мира, Prospekt des Friedens) und die Ulitsa Lenina (улица ленина, Lenin Straße). Von meinem Hostel aus gehe ich ostwärts die Karla Marksa entlang, bis ich am Platz der Revolution (Площадь Революции) ankomme.

Auf diesem befindet sich die obligatorische Lenin-Statue vor dem ‚Haus der Sowjets‘ (Дом Советов), in welchem heute die Verwaltung der Region Krasnojarsk ihrer Verantwortung nachkommt. Die Statue erscheint zwar gewohnt entschlossen, jedoch verbindlicher und weniger autoritär als ihr mächtiges Gegenstück in Nowosibirsk. Dieses Monument wurde im Jahr 1970 zum 100. Geburtstag des Revolutionsführers errichtet, jenes in Nowosibirsk vier Jahre später. Beides fiel in die Ära Leonid Breschnews. Vermutlich ist es müßig, den individuellen Ausdruck jeder Lenin-Statue zu analysieren und im zeitlichen Kontext zu interpretieren.

Nach Angaben in der russischen Wikipedia gibt es bis zu 1800 Denkmäler Lenins. Dass die nicht alle gleich drein gucken, mag sich zwar kommunistischen Klischees entziehen, ist aber auch keine ganz große Überraschung.

Unvermeidliche Lenin-Statue direkt gegenüber des unvermeidlichen Zentralen Vergnügungsparks (Центральный парк).

Wie bereits in Nowosibirsk vermutet, sind diese Denkmäler durchaus intuitive Treffpunkte für politische Demonstrationen. Heute, am Tag der Arbeit, hat sich hier eine vielleicht 50-100-köpfige Gruppe von Genossen versammelt, die mit der Unterstützung von alten Partei-Gassenhauern der Sowjetära mehr Einfluss und Rechte für die Arbeiterklasse einfordert. Nehme ich an.

Die Veranstaltung wird von sichtlich schlecht gelaunten Polizisten bewacht, die offensichtlich auch ein halbes Auge auf meine touristisch-fotografischen Aktivitäten werfen. Bilde ich mir jedenfalls ein. Ich bin etwas unsicher und bewege mich in den gegenüber liegenden Zentralpark (Центральный парк), um von dort aus ein bezeugendes Foto von der Demo zu machen. Doch auch hier werde ich von einem Wachtmeister observiert. Da es sich ganz offensichtlich um eine politische Veranstaltung handelt, und ich – jedenfalls zu diesem Zeitpunkt – lieber noch die Vorsicht walten lasse, ziehe ich mich genügsam zurück und besichtige den Park.

Dieser entspricht bezüglich des Grundkonzepts jenen in den anderen besuchten Städten: gepflegte Grün- und Spazieranlage mit einigen kleinen Karussellen und Buden, die zu dieser Jahreszeit noch geschlossen sind. Vielleicht ist dies eine der Konstanten während der Transsib-Reise. Gewisse kulturelle Eigenheiten, viele derer während des bewegten letzten Jahrhunderts entstanden sind, geben sowohl Einwohnern als auch Besuchern ein wohliges Gefühl der allgegenwärtigen Vertrautheit: große Versammlungsplätze, breite Straßen, massive Revolutionsdenkmäler, chimäre Entspannungs-/Vergnügungsparks, Coffee-to-Go Busse (wohl eher aus dem 21. Jahrhundert), Stolovaja (столовая)-Kantinen-Restaurants und Bronzestatuen.

Auch hier freut man sich auf die anstehenden Feierlichkeiten zum Tag des Sieges am 9. Mai. Dieser Banner trägt die Aufschrift „Banner des Sieges über den Reichstag“ und erinnert an den 30. April 1945.

Letztere fehlen auch in Krasnojarsk nicht. Ob in Form einer Wandplakette, wie im Prospekt Mira 100, oder klassisch, wie das Monument des lokalen Künstlers Andrey Pozdeev (Андрею Поздееву) in eben dieser Straße. Die Statue steht vor dem Gebäude des pädagogischen Instituts der Universität, und die Student:innen fanden offenbar heraus, dass sich das Rubbeln der Nase des Künstlers glücklich auf die eigenen akademischen Geschicke auswirkt. Die Nase erscheint daher besonders exponiert, und ist als solche bereits von der anderen Straßenseite zu erahnen.

Insgesamt ist Krasnojarsk auch eine dieser Städte, die touristisch betrachtet erst auf den zweiten Blick interessant sind, in denen man nach den kleinen Highlights Ausschau halten muss. Wenngleich das Gesamt-Stadtbild und die etwas überschaubarere Größe im Vergleich zu dem deutlich rustikaleren Nowosibirsk doch viel eher zu einem mehrtägigen Verbleib einladen. Doch reicht es sicherlich – unabhängig von Touren in die Umgebung – hier einen vollen Tag zu verbringen, um sich einen anständigen Eindruck von der Stadt zu machen. Mindestens ein weiterer Tag sollten jedoch für die Bewanderung des Stolby-Nationalparks eingeplant werden.

Der Bronzeplakette an der Fassade des Hauses im Prospekt des Friedens (проспект мира) 100 erinnert an einen berühmten sowjetischen Ballet-Meister. Das Monument rechts zeigt Natalja Gontscharowa (Наталия Гончарова) und ihren berühmten Gatten Alexander Puschkin (Александр Пу́шкин) am Puschkin-Platz.
Die typischen Coffee-to-go Busse dürfen auch auf den Straßen Krasnojarsks nicht fehlen. Ebenso wie der Strohhalm zum Schlürfen des frisch-gebrühten Kaffees.
Auch in Krasnojarsk sind die lieblichen Highlights eher Zufallsfundstücke, wie der Bronze-Mann im Regen mit polierter ‚Goldnase‘, oder die unscheinbar zentralsibirisch-robuste Büchervitrine vor dem Pädagogik-Gebäude der Universität.
Integratives Graffito am Treppenufer des Jenissei. Im Hintergrund ist die Kommunalbrücke zu erahnen.
Eine Stolovaja (столовая) – sowjetisch-traditionelles Kantinen-Restaurant im Prospekt Mira, dessen Name – Kalinka Malinka (Калинка малинка) – sich wohl auf das wohl bekannteste russischen Volkslied bezieht.

Wandern im Stolby Naturschutzgebiet

Um den Hauptgrund meines Aufenthaltes in Krasnojarsk – eine Wanderung im Stolby Nationalpark – angesichts der kurzen Zeit so lehr- und erfahrungsreich wie möglich zu gestalten, habe ich eine Halbtagestour mit Anatoliy von SibTourGuide gebucht. Da ich mich am 2. Mai erkältungsbedingt noch etwas schwach fühle, bin ich froh, dass ich die Tour spontan und unkompliziert um einen Tag verschieben kann. Und das sollte einen glücklichen Umstand mit sich bringen. Wir treffen uns am frühen Nachmittag im Café „Traveller’s Coffee“, wo ich noch eine Kanne Hipster-feinen Filterkaffees genieße.

Wir fahren direkt los, über die Kommunalbrücke zum Südufer des Jenissei und decken uns an einer Tanke mit Weg-Wasser ein. Anatoliy erzählt mir ein wenig von der Stadt, seinem Job, seinem Hostel, russischen Feiertagen und den sibirischen Verkehrssitten. Letzteres fokussierte sich vor allem auf das Phänomen, dass in Russland (und vor allem in Sibirien) zahlreiche rechts gelenkte Autos unterwegs sind, obwohl in Russland Rechtsverkehr herrscht. Der Anteil rechts gelenkter PKW nimmt linear zu, je weiter man sich Richtung Osten und Japan bewegt. Denn bei diesen Autos handelt es sich um günstige Gebrauchtwagen aus Japan, einem Land mit Linksverkehr. Gegen diesen Zustand kämpfe die Politik teilweise an, um auch die russische Automobilindustrie zu unterstützen.

Anatoliy und ich genießen die Vorfreude auf den bevorstehenden „Half Day Stolby Hike“.

Am Ausgangspunkt für die Wanderung eröffnet mir Anatoliy fröhlich, dass er selbst ganz aus dem Häuschen sei, weil es nochmal Neuschnee gibt – Anfang Mai. Nach deutschen Maßstäben wäre ich auch aufgeregt; ich bin jedoch etwas überrascht, dass man sich im tiefsten Sibirien tatsächlich noch über winterliche Wettergelüste freut. Für mich ist das natürlich doppelt-schön. Ich habe einen gut gelaunten Guide, und ein authentisches sibirisches Schnee-Erlebnis.

Die Wanderung ist sehr angenehm, da es trotz des Schnees insgesamt nicht zu kalt ist, und weil wir trotz der relativen Nähe zur Stadt weitgehend allein unterwegs sind. Ich muss gestehen, dass dies meine erste Winterwanderung überhaupt ist, und ich bin umso erstaunter, als Anatoliy erzählt, dass er zahlreiche Gäste im Winter bei Temperaturen unter -20 C° durch den Park führt. Nach dem Trip würde ich mich an anderen Orten schon noch an ähnliche Kälte-Grade gewöhnen, denn gute Socken und dichte Schuhe tun ihre Dienste durchaus. Aber in diesem Moment halte ich Winterwanderungen in Sibirien noch für einen verrückten Extremsport.

Ich hatte Glück, dass es am 3. Mai 2016 in Krasnojarsk noch einmal unerwartet Neuschnee gegeben hat und ich ein rundes sibirisches Erlebnis genießen durfte.

Der Nationalpark „Krasnojarsk Stolby“ existiert als solcher seit 1925 und nur ein kleiner Bereich ist für Besucher freigegeben. Der Name Stolby (deutsch: Säulen) verweist auf die zahlreichen in diesem Gebiet auftauchenden Felstürme aus Granit-ähnlichem Syenit-Gestein, welche neben Wanderern auch einige einheimische Kletterfreunde in die Vertikale einladen. Möchte man auf der Transsib-Route einen Ausflug in den Stolby machen, bietet sich die von mir gewählte 4-stündige Halbtagsrunde inklusive Takmak Rock und Ski-Resort sowie, alternativ, eine ca. 8-stündige Ganztagstour inklusive einer großen Runde auf Holzwegen im eigentlichen Nationalpark an.

Eingang zum Stolby Reservat (Столбы Заповедник). Der Name bedeutet „Säulen“ und verweist auf die zahlreichen, bis zu 100 m hohen, herausragenden Felsformationen.

Auf der kleinen Route genieße ich bereits fantastische Ausblicke, auf Krasnojarsk, auf die Weiten der sibirischen Taiga. Besonders einige der Felstürme eignen sich nach kleiner Klettereinlage für eine kurze Rast, um durchzuatmen, zu erkunden, zu reflektieren. Während stadtseitig noch der Hall des urbanen Lärms zu hören ist, klingt es auf der Taiga-Seite bereits ein wenig nach Wildnis.

Während der Tour unterrichtet mich Anatoliy kompetent und umfangreich über die Geschichte des Parks, über die Einflüsse der Roten und der Weißen auf den Naturschutz, über die davon abgeleitete Popularität der jeweiligen Gruppen in der lokalen Bevölkerung. Es ist sehr interessant, sich diesen Teil, und auch darüber hinaus gehende Aspekte russischer Historie erzählen zu lassen. Auch auf konkrete Nachfragen bekomme ich ausführliche Antworten. Neben dem Naturerlebnis lerne ich auf dieser Tour also auch viel über die Region und das Land.

Fantastischer Ausblick auf die Stadt, mit der Transsib-Eisenbahn-Brücke über den Jenissei, halblinks im Bild.

Schließlich ist das Highlight des Ganzen der allgegenwärtige Blick auf den 540 m hohen Takmak Rock, ein kammartiges Massiv, welches sich während der Wanderung aus verschiedenen Perspektiven beobachten lässt. In besonders erhabener Pose zeigt der Takmak sich auf seiner Westseite. Eine interessante Besonderheit am heutigen Tage ist die rote Fahne auf dessen Gipfel, welche mutmaßlich traditionell von ‚Aktivisten‘ am 1. Mai dort aufgestellt wird. Ich hatte allerdings den Eindruck, dass mein Guide nicht 100 % sicher ist, was genau es damit auf sich hat.

Beweisfoto vor der Westseite des Takmak Rock, auf dem zum 1. Mai eine rote Fahne angebracht wurde. Im Hintergrund zeigt sich die schneebedeckte Tannen-Taiga Ostsibiriens.

Auf dem Weg zum Ski-Lift, der uns sicher wieder nach unten Richtung Stadt transportieren soll, begegnen wir vier älteren Damen, die am Waldrand ein kleines Feuerchen machen. Das Beweisfoto dazu werde ich aus Gründen der Diskretion freilich nicht veröffentlichen. Auf Nachfrage, warum sie das tun, antworten sie, dass ihnen kalt sei – nur wenige Schritte entfernt befindet sich die beheizte Seilbahn-Station… Anatoliy ist von dem Vorfall natürlich nicht begeistert, und weist die zündelnde Gruppe darauf hin, dass es illegal ist, hier Feuer zu entfachen – aus gutem Grund.

Die Abfahrt per Seilbahn ist fantastisch. Generell, doch besonders, weil sich die Wolkendecke lichtet und ich Krasnojarsk zum ersten Mal bei blauem Himmel sehe. Unten angekommen, werde ich zunächst in einer Stolovaja abgesetzt, um mein Mittagessen aus Kartoffeln, Kraut und Buchweizen zu genießen. Anatoliy würde derweil das Auto aufsuchen und mich nach kurzer Zeit an einer Bushaltestelle abholen, wo mir ein selbstgerechtes Bronzeschwein Gesellschaft leistet.

Den Abend lasse ich bei einem ausgiebigen Spaziergang am Ufer des Jenissei ausklingen. Die Aussicht auf das Fluss- und Brückenpanorama ist im Sonnenuntergang noch beeindruckender. Um die Nord-Promenade beneide ich die Krasnojarsker. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eines Tages wiederkomme, um mich noch weiter auf die wilden Umtriebe des Jenissei einzulassen.  

Seilbahn an der Skipiste des „Krasnojarsk Stolby“-Parks.
Blick auf die schneebedeckten Berge bei sich plötzlich bläuendem Himmel.
Meine Gesellschaft beim Warten auf den Abschluss der Tour.
Der fantastische Jenissei nach Sonnenuntergang.

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