Nahaufnahme der Terrakotta Krieger

Die Terrakotta Armee – Ein Ausflug zum ersten Kaiser von China

Eines der vielleicht spektakulärsten Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten Chinas befindet sich in der historischen Keimzelle des chinesischen Kaiserreichs, in der Provinz Shaanxi (陝西省) etwa 35 km nordöstlich der alten Kaiserstadt Xi’an, am Fuße des Bergs Li (Lishan, 骊山). Eine riesige, aus gebranntem Ton erschaffene Armee von Kriegern. Eine Grabbeigabe absurden Ausmaßes. Es handelt sich um die posthum diensttuende Leibgarde des ersten Kaisers von China: Qin Shi Huang (秦始皇) – auch: Qin Shi Huangdi. Eine Ausgrabungsstätte unweit des noch nicht ausgehobenen Mausoleums jenes Herrschers, der die sechs streitenden Reiche in der Wiege des heutigen Chinas im Jahr 221 v. Chr. vereinigte und somit den Grundstein für die über 2000-jährige Geschichte des chinesischen Kaiserreichs legte.

Statue von Kaiser Qin Shi Huangdi
Statue des Kaisers Qin Shi Huang (秦始皇)

Ich besuche ein Zeugnis des ausgeprägten Egos des Ersten Erhabenen Gottkaisers, aber auch einen Ort des anhaltenden Studiums altertümlicher chinesischer Geschichte. Archäologen und Historiker suchen und finden hier Indizien zur Lüftung der Geheimnisse um die zwar nur kurz andauernde, aber nachhaltig prägende Qin-Dynastie (秦朝). Eine von nur zwei aufeinanderfolgenden Kaisern geführte Ära, die bereits 15 Jahre nach ihrer Gründung zu Fall kam.

Berg Lishan in Shaanxi
Südlich des Mausoleums und der Terrakotta Armee erstreckt sich der Berg Li (Lishan, 骊山) – reich an Jade und Gold.

Die Terrakotta Armee (兵马俑) ist einer der unwirklichsten Orten, die ich bislang besichtigt habe. Als ich bei meinem ersten Besuch (2016) aus dem Bus steige, betrete ich zunächst ein riesiges touristisches Areal mit Touristenführern und zahlreichen Restaurants und Filialen international operierender Kaffeehäuser. Nach dem Ticketkauf werde ich durch einen großen Eingang geleitet und nach einem kurzen Weg stehe ich vor der ersten Halle. Von außen wirkt sie wie eine größere Tennishalle. Als ich reingehe, komme ich mir vor, wie in einem riesigen Hangar. Es dauert eine Weile, bis ich mir vergegenwärtige, was ich dort zu sehen bekomme.

Eingang zu Grube 1 der Terrakotta-Armee
Eingangsbereich zu einer der drei Gruben.

Auf die drei Gruben verteilt liegen Schätzungen zufolge mehr als 7000 Terrakotta-Krieger und -Pferde sowie Streitwagen im Verborgenen, oder eben teilweise bereits im Geborgenen: bislang wurden etwas mehr als 1000 dieser lebensechten Skulpturen ausgegraben und aufgestellt. Es heißt, der Kaiser habe den Auftrag für deren Fertigung direkt nach seiner Besteigung des Königsthrons im zarten Alter von 13 Jahren erteilt. Weit vor der Zusammenführung der Reiche und der Gründung des Kaiserreichs.

Qin Shi Huang sagt man die Begierde nach dem ewigen Leben nach. Er schickte zahlreiche Alchemisten auf Exkursionen, um nach dem Elixier der Unsterblichkeit zu suchen. Ironischerweise starb er relativ früh – im Alter von 49 Jahren – an einer Quecksilber-Vergiftung, wie man annimmt. Wohl ausgelöst durch die wiederholte Beigabe des quecksilbrigen Minerals Zinnober zu seinen erquickenden Schlückchen lebensverlängernden Weinchens (Quelle: bbc.com). Mit seinem Mausoleum und den Terrakotta Kriegern gelang ihm posthum immerhin die Umsetzung seines Plans B (wenn nicht ohnehin bereits Teil seines Plans A): das hochdekorierte Weiterleben im Jenseits, das ewige Kaiserreich der Qin. Sein machtvolles Regiment bis ans Ende aller Zeiten. Das Mausoleum entspricht in seiner Gesamtheit der unterirdischen Rekonstruktion seines Hofes samt Entourage und Heer – bis in die letzte Konsequenz der Einsatzbereitschaft.


Grube 1 – Die erste Entdeckung der Tarrakotta Krieger

Dort, wo ich mich heute in diesem riesigen Hangar wiederfinde, wurden die ersten Terrakotta Krieger einst zufällig entdeckt. Vor gar nicht allzu langer Zeit stießen Bewohner des nahegelegenen Dorfes Xiyang beim Graben eines Brunnens in einigen Metern Tiefe zunächst auf ungewöhnlich fest erscheinende Schicht von roter Erde. Etwas tiefer legten sie dann später Bronzepfeile und einen eben solchen Terrakotta Krieger frei – in Lebensgröße.

Gesamte Halle der Grube 1 der Terrakotta-Armee
Eine riesige Museumshalle und Ausgrabungsstätte in einem – Grube 1.

Dies ereignete sich am 29. März 1974 – also 2184 Jahre nach der Beisetzung Kaiser Qin Shi Huangs, in der späten Phase der Kulturrevolution. Obwohl der lokale Kulturbeauftragte und offizielle Entdecker der Stätte zunächst versuchte, die Information dieses historischen Fundes nicht zu den nationalen Behörden durchdringen zu lassen, nahmen die Dinge dann doch rasch ihren Lauf (Quelle: bbc.com). Bereits im Jahr 1976 wurde das über 14 km2 umfassende Areal mit der schützenden Halle versehen und schließlich 1979 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Seit 1987 gehört die Grabanlage zum erlesenen Zirkel des UNESCO-Weltkulturerbes.

Die Infanterie der Terrakotta-Armee von hinten
Die Infanterie-Einheit in drei Reihen an der Front in Grube 1.

In Grube 1 sind bislang etwa 1000 Krieger freigelegt, wiederhergerichtet und ausgestellt. Es ist die größte der drei Gruben, mit den meisten Skulpturen. Und der Anblick ist gigantisch – besonders angesichts der zugrundeliegenden Geschichte. Es sind von Menschenhand geformte Figuren, welche mehr als 2000 Jahre überstanden haben und Teil des unterirdischen Qin-Reiches waren – oder es noch sind…

Eine Vierer-Reihe der Terrakotta-Krieger
Insgesamt 38 Säulen militärischer Schlachtformationen finden sich in Grube 1.

… als Teil einer Schlachtordnung, wie sie für die Qin-Zeit überliefert ist. Figuren in Lebensgröße: die Krieger messen 1,80 m, die Generäle 2,00 m Körpergröße. Die meisten der Figuren stehen aufgereiht in grabenartigen, unterirdischen Gängen, streng nach Osten ausgerichtet. An vorderster Front stehen drei Reihen von je 68 Infanterie-Soldaten. Sie führen das massive Panorama der Formation an.

Terrakotta-Krieger in Grube 1
Je näher man zoomt, desto offensichtlicher der Individualismus der Skulpturen.
Nahaufnahme einiger Terrakotta Krieger

Und ich sehe nur einen Bruchteil des gesamten Ensembles. Basierend auf der Anzahl an Figuren pro Quadratmeter wird geschätzt, dass sich auf diesem definierten Areal insgesamt 6000 Krieger und Pferde befinden. Jede einzelne individuell gestaltet, mit individuellen Frisuren, Gesten und erstaunlich lebensechten Gesichtszügen. Keine Figur gleicht der anderen. Eigentlich unglaublich. Insgesamt waren Schätzungen zufolge 720.000 Arbeiter an der Erschaffung des Mausoleums, inklusive der Terrakotta Armee beteiligt. Im Zeitraum zwischen ~246 und ~208 vor Christus. Um das Geheimnis der unterirdischen Grabstätte zu wahren, wurden die Handwerker infolge der Fertigstellung lebendig begraben – direkt vor Ort… vielleicht auch eine Form der altertümlichen Wertschätzung!

Nahaufnahme von sieben Terrakotta-Kriegern und drei Pferden
Porträt eines Terrakotta-Kriegers
Kein Gesicht gleicht dem anderen.

Die heutige Wertschätzung für die Ausgrabungen ist definitiv sehr hoch. Ich bin bei weitem nicht alleine in der Halle. Ich muss geduldig sein, um an die begehrten Foto-Positionen zu gelangen. Viele Reisegruppen mit Fähnchen, aber auch viele Individualtourist:innen drängen ans Geländer, um die ersehnten Selfies und Porträt-Aufnahmen von den Kriegern zu ergattern. Jährlich besuchen etwa 1 Million internationale Besucher die Terrakotta Armee. An den chinesischen Feiertagen werden täglich auch mal um die 10.000 Besucher gezählt… selbst in Corona-Zeiten (global.chinadaily.com.cn).

Viel Publikum in der Halle von Grube 1 der Terrakotta-Armee

Was sich den vielen Menschen hier in beeindruckender Weise zeigt, ist nicht nur die bloße Ansicht restaurierter Objekte in Hochglanz, sondern der Arbeitsprozess als solcher. Neben den aufrechten Figuren gibt es auch an zahlreichen Stellen zertrümmerte Teile von Kriegern und Pferden. Archäologen sehen in der weitreichenden Beschädigung vieler Figuren auch ein Indiz für den frühen Untergang der Qin-Dynastie, der nicht mal vier Jahre nach dem Tod Qin Shi Huangs erfolgte. Demnach ging dessen Ableben mit Plünderungen und Zerstörungen der Terrakotta Armee durch Aufständische einher, und mündete schließlich in den Übergang in die Ära der Han-Dynastie. Der ewige Nachlass der Qin wurde also gerade noch rechtzeitig fertiggestellt – wenn auch nicht unbeschadet. (Quelle: smithsonianmag.com)

Zerbrochene Terrakotta-Krieger
Zerbrochene Terrakotta Krieger bezeugen die Aufstände am Ende der Qin-Dynastie.

Grube 2 – Ein Detailblick auf die Krieger

Einen näheren Blick auf die einzelnen Krieger gibt es in der Halle von Grube 2 zu erhaschen. Neben der Ausgrabungsstätte selbst sind in hier ausgezeichnete Exemplare der Figuren in Vitrinen ausgestellt. Hier scharen sich die Besucher:innen um die Exponate eines knienden Bogenschützen, eines dekorierten Offiziers sowie eines Kavalleristen samt Pferd. Insgesamt gilt diese Grube vielen als das Highlight des Museums, obwohl es vergleichsweise wenig zu sehen gibt – jedenfalls in der Masse. Hier besticht das Detail.

Nahaufnahme eines knienden Bogenschützen der Terrakotta-Armee
Kniender Bogenschütze aus Grube 2.

Denn die zweitgrößte der drei Hauptgruben wird derzeit (2017) noch weitgehend und fortdauernd ergraben. In der spärlich belichtete Halle sind vier von Mauern eingegrenzte Bereiche von Erdwällen samt Arbeitsgerät zu sehen. Darunter verbergen sich – ebenfalls basierend auf Berechnungen – etwa 1300 Krieger, die sich in vier Schlachtanordnungen auf die insgesamt 6000 m2 der Grube verteilen. Es heißt, diese Grube beherberge die größte Vielfalt an Skulpturen, mit einer Reihe von stehenden und knienden Bogenschützen, Kavallerieführern und Streitwagen-Formationen. Die unterschiedlichen Einheiten sind durch die vier separierenden Mauern getrennt. Offenbar ein Teil der militärischen Formaktionstaktik der Qin – bei Bedarf würden die Trupps sich reformieren und in ihre aktive Schlachtordnung übergehen. Die Aufstellungen der Armee sind alles andere als zufällig. Der Kaiser wollte sein Reich samt Infrastruktur und Organisation quasi lebensecht in der Unterwelt rekonstruieren – und konservieren.

Kavallerist mit Pferd
Kavallerist mit seinem besattelten Pferd.

Die derzeitigen Ausgrabungsarbeiten in Grube 2 versprechen aufgrund der physikalischen Gegebenheiten und – vor allem – wegen großer technologischer Fortschritte zudem, die Skulpturen mit einer besseren Konservierung ihrer bunten Farben zu bergen. Grundsätzlich hatte man das Problem, dass infolge der Freilegung der Oberflächen die Pigmente innerhalb von Minuten verschwinden, nachdem sie in Kontakt mit Luft gekommen sind. Mittlerweile wurden, unter anderem in einer chinesisch-deutschen Kollaboration, wirkungsvolle Konservierungsmethoden entwickelt, um bei aktuellen und zukünftigen Ausgrabungen von Figuren und Accessoires eine möglichst vollständige Original-Färbung erhalten und studieren zu können (Quelle: chinadaily.com.cn). Denn der übergreifende graue Ton der Armee, wie er sich derzeit präsentiert, wird dem ursprünglichen Werk nicht ganz gerecht. Daher blicke ich mit großer Vorfreude auf meine hoffentlich bald anstehenden nächsten Besuche der Stätte.

Dunkle Aufnahme von Grube 2 der Terrakotta-Armee
Blick in Grube 2. Vieles ist noch zu entdecken.

Grube 3 – Das Hauptquartier der Streitkräfte

Die kleinste der drei öffentlich zugänglichen Gruben ist Grube Nr. 3, in der sich insgesamt 68 Soldaten sowie vier Pferde eines Streitwagens aufhalten. Hier sind einige höherrangige Offiziere zu sehen, die als solche anhand ihrer Größe und Kopfbedeckung identifiziert wurden. Interessanterweise handelt es sich hier nicht – wie in den anderen beiden Gruben – um eine Schlachtordnung, sondern um das Hauptquartier der Terrakotta Armee. Davon jedenfalls gehen Experten aus. Denn anstelle scharfer Waffen wurden hier Nahkampf-Waffen sowie Werkzeuge für eine Art animistisches Ritual gefunden.

Kopflose Terrakotta-Krieger und vier Pferde in Grube 3

Als wesentliches Indiz gilt zudem die gegenüberliegende Aufreihung einiger Krieger im Spalier. Unklarheit hingegen herrscht noch über den Verbleib des Oberkommandeurs. Ist es Qin Shi Huang höchstselbst?

Vielen Besuchern dürfte Grube 3 weniger überwältigend anmuten als Grube 2 und insbesondere Grube 1. Das große Spektakel ist die schiere Größe der Armee, deren individuelle und detailreiche Ausgestaltung in eben diesem Ausmaß. Erst durch die Recherche ihrer Geschichte erschließt sich mir alles. Im Museum gibt es erklärende Tafeln in englischer Übersetzung. Es ist zudem ratsam, sich vor dem Besuch einen Überblick zu verschaffen, oder eben eine (seriöse!) Tour mit einer versierten Guide:in zu buchen. Mit den Detailinformationen ist dieser Ausflug umso beeindruckender.

Nahaufnahme von vier hochrangigen Offizieren der Terrakotta-Armee.
Ranghohe Offiziere – erkennbar an der Kopfmontur – in Grube 3.

Ausstellungshalle mit Bronze-Streitwagen

Neben den Gruben und restaurierten Kriegern und Pferden gibt es auf dem Museumsgelände eine Ausstellungshalle, die den ganzen Besuch nochmal mit einer Besonderheit abrunden. Hier werden zwei restaurierte vier-pferdige Streitwagen gezeigt, die man in der Nähe des Grabhügels des Kaisers ausgegraben hat. Diese Bronzewagen sind erstaunlich gut erhalten und eine Faszination für sich. Sie sollen dem Kaiser im Jenseits für dessen Inspektionsreisen durch das Reich dienen. Das kann er sich nun abschminken, da beide sicher in Glasvitrinen eingeschlossen sind. Vielleicht gibt es ja noch einen verborgenen dritten Wagen…?

Bronze-Streitwagen Nr. 1
Bronze-Streitwagen Nr. 2
Streitwagen Nr. 1 und 2 – für den Laien nicht leicht abzulichten.

Das Mausoleum des Kaisers Qin Shi Huang

Das eigentliche Grab des Kaisers Qin Shi Huang wurde bislang nicht ausgehoben. Es wird vermutet, dass sich darin Tausende von wertvollen Artefakten befinden. Mit dem Öffnen der Grabstätte aber ginge man ein sehr hohes Risiko ein, den Fund irreparabel zu beschädigen. Zudem werden unterirdische Quecksilber-Kanäle und mechanisch ausgelöste Armbrüste vermutet – und befürchtet. Daher hält sich die chinesische Regierung bisher zurück. Neben diesem technischen Aspekt spielt hier auch der Respekt vor den kaiserlichen Hinterlassenschaften eine Rolle. Aktuell kann man sich den Grabhügel von Außen aus relativer Nähe anschauen. (Quellen: bbc.com, historyofyesterday.com)


Recherchetipps zur Terrakotta Armee:

Einige Links zu detailreicheren Artikeln und Ressourcen zur Geschichte Qins und der Terrakotta Armee, aus welchen ich die sachlichen Informationen für diesen Beitrag bezogen und zusammengefasst habe:


Ein kleiner Nudel-Snack nach der Besichtigung

Insbesondere, wenn du keinen Aufenthalt in Xi’an einplanst, solltest du unbedingt einen Nudelsnack in einer der Küchen auf dem Museumsgelände probieren. Eine Spezialität der Region sind kalte Nudeln. In meinem Beitrag über Xi’an lobe ich bereits die Liangpi (凉皮)- Zubereitung. Reine Stärke-Nudeln aus Weizenmehl – durch intensive Vorbehandlung glutenfrei. Die Nudeln werden mit einer Komposition aus Chili, Essig und Sesam-Sauce gewürzt und schmecken fantastisch. Unbedingt ausprobieren! An den Ständen bekommst du auch andere Nudelsorten zur Auswahl. Lecker ist es auf jeden Fall.

Nudelküche

Köchin bereitet Nudeln in Garküche zu
Zubereitung kalter Nudeln. Meine Lieblingsspeise aus Xi’an.

Tipps und Infos zum Besuch der Terrakotta Armee

  • Eintrittspreis: 120 Yuan (~ 17 Euro)
  • Öffnungszeiten: 8:30 – 18:00 (März – Nov), 8:30 – 17:30 (Nov – März)
  • Besuchsdauer: 2-3 Stunden
  • Da die täglich verkaufte Tickets kontingentiert sind, solltest während der chinesischen Feiertage (besonders Anfang Februar und Oktober) Tickets vorbestellen oder eine Tour buchen.
  • Die meisten Touristengruppen treffen in den späten Morgenstunden ein. Für Frühaufsteher kann es sich lohnen, bereits zuvor, um 8:30 anzureisen. Ich persönlich besuche das Museum lieber zur Mittagszeit und am Nachmittag bei etwas weniger Andrang.

Tipps: Anreise zur Terrakotta Armee

Grundsätzlich bevorzuge ich es, meine Touren zu kleineren oder größeren Sehenswürdigkeiten auf eigene Faust zu unternehmen. Das ist in China nicht immer und überall ganz so einfach. Häufig bin ich auf Busverbindungen angewiesen, von Stationen aus, die nicht immer leicht zu finden sind – und die Sprach- und Schriftbarrieren tun den Rest. Für einen Trip von Xi’an zur Terrakotta Armee stellt sich diese Unternehmung jedoch als relativ einfach heraus. Große touristische Ziele werden hochfrequent von zentralen Stationen aus angefahren. Aber es lauern einem auch einige kleine Gauner auf: Westliche Tourist:innen wie ich werden leicht identifiziert und in scheinbar offizielle Busse „gebeten“.

Menschen am Busbahnhof am Bahnhof von Xi'an
Nur wenige Schritte östlich des zentralen Bahnhofs (Xi’an Railway Station) fahren zahlreiche Busse – auch zur Terrakotta Armee.

Ich suche für Touren zur Terrakotta Armee immer den zentralen Bahnhof von Xi’an (Xi’an Railway Station, 西安站) auf. Nur wenige Schritte östlich dessen Vorplatzes befindet sich ein Busbahnhof (Sanfuwan Bus Station, 三府湾客运站). Von hier aus fahren regulär Busse zur Terrakotta Armee. Es geht dort zwar ein wenig unübersichtlich zu, aber die Leute sind hilfsbereit. Am einfachsten ist es, Polizist:innen zu fragen – es gibt drei Linien, die direkt dorthin fahren.

  • Tourist line 5 (Bus Nr. 306) – 7 Yuan – fährt alle 5 Minuten*
    Fahrtzeiten: Hinfahrt 07:00 – 19:00, Rückfahrt 08:15 – 19:00
    *fährt mittlerweile wohl nicht mehr von Xi’an Railway Station aus. Neue Abfahrt ab Fangzhicheng Bus Station (纺织城站), die mit der Metro Linie 1 zu erreichen ist: vom Glockenturm (Zhonglou Station, 钟楼站) eine Station mit der Linie 2 bis Beidajie Station (北大街站), und von dort in Linie 1 umsteigen. Fangzhicheng ist die östliche Endstation. (Quelle: travelchinaguide.com)
  • Bus Nr. 914 – 12 Yuan – fährt alle 10–30 Minuten
  • Bus Nr. 915 – 12 Yuan – fährt alle 10–30 Minuten

Vorsicht Touristenfalle

Bei meinem ersten Trip im Jahr 2016 bin ich in eine Touristenfalle getappt, und habe 20 Yuan für die Hinfahrt gezahlt. Das ist noch immer nicht die Welt, und ich wurde immerhin nicht zur fake Terrakotta Armee gefahren (die es tatsächlich gibt). Aber eben vermeidbar. Wenn du also von einer Kondukteur:in in blauer Uniform mit roter Armbinde herbeigerufen und -gewunken wirst, bekommst du sehr wahrscheinlich einen überhöhten Preis angeboten. Dabei handelt es sich um illegal operierende Busse mit der gleichen Nummer wie die offizielle Linie! Die echten Kondukteure verlassen nicht den Bus. (Quelle: travelchinaguide.com)

Kondukteurin eines Touristenbusses in Xi'an
Kondukteurin eines inoffiziellen Busses zur Terrakotta Armee: fake Tourist Line 5 (Nr. 306).

Eindrücke von der Fahrt von Xi’an zur Terrakotta Armee

So, oder so… die Fahrt mit dem Bus von Xi’an zur Terrakotta Armee dauert zwischen 1 Stunde und 1,5 Stunden. Die Fahrt offenbart keine wirklichen Schönheiten. Es dauert eine gewisse Zeit, bis man aus der Stadt raus ist, überquert den Fluss Bahe und passiert Außenbezirke, inklusive des Campus der Xi’an Polytechnic University und kleinere Vororte, die jedoch nur auf der chinesischen Skala relativ „klein“ sind. Vielleicht ist es auch für jene Besucher:innen interessant, die nur einen Zwischenstopp hier machen, und auf diese Weise einen immerhin flüchtigen Blick auf das China außerhalb der Stadtzentren und touristischen Zonen ergattern möchten.

Ausblick auf den Fluss Bahe von einer Brücke in Xi'an
Raus aus der Stadt, rein in die Region – über den Fluss Bahe.

Wie gesagt, man fährt nicht wirklich durch die Provinz. Aber es sind dann doch nochmal etwas andere Eindrücke als im touristischen Radius des Glockenturms und der Museen. Auf meiner ersten Rückfahrt etwa haben in einem Ort gerade die Schulglocken geläutet. Die Schüler gehen heim und werden auf E-Rollern abgeholt. Sie tragen eher traditionell wirkende Uniformen, mit jungpionierigen Halsbändern. In den Großstädten sind mir die Schulkinder eher wegen ihrer etwas lässigeren Sportmontur aufgefallen. Vielleicht ist es auch nur Zufall. Die blaue Farbe der Uniform scheint jedenfalls universell zu sein (Quelle: Ting Ting´s Nest).

Belebter Bürgersteig mit Schülern in chinesischen Schuluniformen
Die Schule ist aus.

Je weiter wir uns aus Xi’an herausbewegen, desto häufiger fallen mir Melonen-Verkäufer ins Auge. Viele Melonen-Verkäufer. Mit direktem Verkauf von der Ladefläche. Offenbar zählt die Provinz Shaanxi zu den wichtigsten chinesischen Melonen-Anbauregionen des Landes (Quelle: freshplaza.de). Immerhin indirekt und aus dem Busfenster heraus kann ich dies bezeugen.

Chinesischer Straßenverkäufer zwischen zwei Lastwagen mit Melonen

Nach etwas weniger als eineinhalb Stunden erreicht der Bus schließlich das Areal des Museums der Terrakotta Armee. Die vielen dort wartenden Taxis weisen darauf hin, dass der Bus nicht die einzige Option ist. Mit dem Auto/Taxi dauert eine Fahrt zwar weniger als eine Stunde, kostet aber etwa da 10-fache der Busfahrt. Am Eingangsbereich geht es ein wenig wuselig und unübersichtlich zu. Auf die reichlich eintrudelnden Angebote zur geführten Tour soll man sich wohl nicht einlassen. Dann lasse mich auch nicht darauf ein. Ich bahne mir meinen Weg zum Ticket Office. Bislang immer auf eigene Faust.

Eingangsbereich zur Terrakotta-Armee mit Berg Lishan im Hintergrund
Eingangsbereich zum Museum der Terrakotta Armee.

Hinweis: Alle in diesem Artikel beschriebenen Reisen wurden privat finanziert. Ich erhalte keine finanziellen Zuwendungen von in diesem Artikel genannten Unternehmen oder anderen Organisationen.

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